WORUM GEHT ES DEN QUERDENKERN?
Es soll darum gehen, mit verschiedenen Menschen über Querdenkerei ins Gespräch zu kommen und Fragen und Bildungsinitiativen zu besprechen, die sich an verschiedenen Orten umsetzen ließen.

WARUM IST QUERDENKEN NOTWENDIG?
Wir leben in einer Zeitenwende. Wer gut hinschaut, erkennt, dass ein neues Zeitalter mit anderen Normen und Werten dabei ist, zu beginnen. Aber derzeit ist nicht sicher, wie ein einigermaßen sanfter Übergang ohne Katastrophen und Kriege möglich ist. Menschen, die helfen wollen, Katastrophen zu vermeiden, müssen sich finden, bevor es zu spät ist, neue Netzwerke bilden und als Multiplikatoren mehr Menschen erreichen.

DREI SYMPTOME:
Egal, um welches Problem es geht (Migranten, Griechenland, Brexit, Euro, Banken, Finanzmärkte, Klima, Gleichberechtigung, …), drei Symptome erschweren in den letzten Jahren zunehmend, gemeinsam nach guten Lösungen zu suchen.

  1. NEUGIERVERLUST. Nur das, was man schon durch und durch versteht oder zu verstehen glaubt und nützlich findet, zählt. Im Wissenschaftsbetrieb findet fast nur noch deduktive Forschung statt: man generiert neue Artikel auf der Basis von bestehenden Artikeln. Forschungsgebiete, über die man noch fast nichts weiß, werden misstrauisch betrachtet und haben es schwer. Um Gebiete, in denen man noch nicht weiß, welche Fragen man eigentlich stellen muss, kümmert sich niemand mehr außer einigen Spinnern. Im politischen Betrieb zählt nur noch, was sich eindimensional in Geld ausdrücken lässt. Das gilt zunehmend auch für das Bildungssystem: dort ist kurzfristige wirtschaftliche Rentabilität oder vermeintliche Rentabilität der Maßstab.
  2. SCHEUKLAPPEN. Man optimiert seine Angelegenheiten auf dem kleinen Ausschnitt, für den man verantwortlich gemacht wurde. Das Ganze hat kaum noch jemand im Blick. In vielen Bereichen verhalten sich Entscheidungsträger wie heutige Helpdesk-Mitarbeiter: die sind ja nicht davon durchdrungen und nicht dafür ausgebildet, helfen zu müssen, das Problem zu lösen, dass der Kunde wirklich hat. Sie werden darauf abgerechnet, wie viele Telefongespräche sie pro Tag ohne Ärger zu Ende bringen. So baut man je nach Kompetenzbereich neue Zäune, erlässt Gesetze oder gibt Kredite, weil man das kann, ohne sich dafür zu interessieren, was das an einer anderen Stelle der Welt für Auswirkungen hat.
  3. KAMPF. Man ist sehr gerne entrüstet über andere. Medien hetzen Menschen gegeneinander auf. Menschen lassen sich gern gegeneinander aufhetzen und beschäftigen sich mit Montagsdemonstrationen und shitstorms. Statt gemeinsam die Wahrheit oder wenigstens begründete Kompromisse zu suchen, ergeht man sich mit Gleichgesinnten in seiner Subkultur und beschimpfte alle, die anders denken oder auch nur andere Fragen stellen. Man fragt den anderen nicht, was er denn eigentlich meint, sondern behandelt ihn als Feind, sobald er nicht genau die gleiche Sprache spricht wie man selbst.

DIESE DREI SYMPTOME verstärken sich gegenseitig und werden immer ausgeprägter. Es gibt immer weniger Raum für Denken, das nicht im Bann dieser drei Symptome steht.

THERAPIEVORSCHLAG
Wenn wir nicht in die Katastrophe segeln wollen, müssen sich die Querdenker, die es durchaus überall auf der Welt gibt, auf allen Ebenen der Gesellschaft gegenseitig finden, ihre Gedanken austauschen, zusammen nach wirklichen Lösungen suchen und helfen, einen Kulturumschlag zu bewirken. Wir brauchen lokal, regional und international Netzwerke, die ganz anders motiviert sind und anders funktionieren als pegida-artige Interessengruppen. Wir brauchen etwas, das den Salons des 19. Jahrhunderts ähnelt, wo sich Bildungsbürger, Künstler, Wissenschaftler, Dichter und Musiker treffen, ohne in die drei Symptome zu verfallen.

Menschen für solche Netzwerke gibt es überall: motivierte Lehrer, Journalisten, Lokalpolitiker, mittelständische Unternehmer und an ihrem Beruf zweifelnde Finanzmenschen; aber sie finden einander nicht leicht, und ihr Einfluss auf Parteien und Medien ist noch gering. Alleine haben sie nicht die Kraft, gegen den Strom zu schwimmen und ihre Gedanken und Einsichten gegen die Schwerfälligkeit ihrer eigenen Organisationen und die Medien auszutragen.

WER IST EIN QUERDENKER?
Wer „weise“ genannt wird, ist Experte auf dem Gebiet der Unsicherheit. Ihm ist klar, dass das Wissen, das er hat, nicht festliegt; er akzeptiert das und schreitet trotz des unsicheren Untergrundes mit offenem Blick fort auf seinem Lebensweg. Um Experte auf dem Gebiet der Unsicherheit zu werden, muss man ein Fragemensch sein. Jemand, der, statt dauernd Antworten zu reproduzieren oder solche von Autoritätspersonen fraglos zu übernehmen, neugierig fragt: Was ist hier überhaupt die relevante Frage? Worum geht es eigentlich? Was geht hier durcheinander? Was gibt es, das ich noch nicht gut gesehen habe? Fragemenschen üben ihren offenen Blick, wollen immer genauer hinschauen, immer mehr scheinbar irrelevante Nuancen entdecken, sich verwundern, und sie finden sich zusammen mit anderen Fragemenschen.  Gemeinsam auf der Suche nach der Wahrheit, das ist für Fragemenschen das Schönste, was es gibt. Es funktioniert besonders gut, wenn man eine gemeinsame Kultur teilt, Erzählungen, Gedichte, Musik, Rituale, Erfahrungen als Denkanstoß, als verbindende Elemente – aber nicht als unverhandelbare Wahrheiten.
In diesem Sinn sind Querdenker Fragemenschen. (Hanno Wupper, Nimwegen)

INITIATOR UND MODERATOR: PROF. DR. HANNO WUPPER
Studierte  Mathematik und Physik, ist promoviert in Informatik und wirkte von 1986 bis 2013 an der Radboud Universität Nimwegen als Associate Professor Informatik mit besonderem Interesse an angewandter Logik und Architektur für die digitale Welt.
http://selbstdenkbuch.eu

MITARBEIT: PROF. DR. INIGO BOCKEN
Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie, insbesondere Sozialphilosophie, an der Cusanus-Hochschule in Bernkastel-Kues, Wissenschaftlicher Direktor des Titus Brandsma Instituts für Mystik- und Spiritualitätsforschung an der Radboud-Universität Nimwegen.
http://bocken.eu/Inigo/publications.html

 WARUM AUF DER HEGGE? DER TAGUNGSORT:
Die Hegge ist ein Tagungshaus, das wirtschaftlich, politisch und kirchlich unabhängig ist und daher ein Ort besonderer geistiger Freiheit.
Die Hegge ist ein Ort, an dem die drei Krankheitssymptome der Gesellschaft weit weg sind.
Die Hegge hat schon einmal in einer Zeitenwende, nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur, eine wichtige Rolle gespielt und Generationen von Menschen geprägt. Hier können sich Querdenker treffen, Gedanken austauschen, Kräfte sammeln, gemeinsame neue Entwicklungen einleiten. Hier können Multiplikatoren Kraft und Mut sammeln, um zu neuen Entwicklungen beizutragen.
Die Hegge schafft seit über siebzig Jahren erfolgreich eine Atmosphäre, in der Menschen sich kennenlernen, einander zuhören und miteinander reden können, ohne in die drei Symptome zu verfallen. Dabei spielen die Lage in der Landschaft, die Ruhe, der Park, der Bau, das Essen und der Tagesablauf wichtige Rollen und fügen sich zu einer Ganzheit zusammen. Man ist umgeben von Ruhe, Schönheit, Kunst und Qualität, und überall wird entspannte, tiefe Kommunikation gefördert – beim Spazierengehen oder Sitzen im Park, beim Essen, in den Pausen und abends beim Wein. Überall können sich kleine Gruppen zusammenfinden und ungestört miteinander reden.

MÖCHTEN NICHT AUCH SIE MITMACHEN?
Die Zeit drängt. Darum wollen wir Querdenker und Menschen mit einem frischen Blick auf Zukunft, Gegenwart und Geschichte einladen, mitzudenken, was man auf der Hegge veranstalten kann, um Menschen zusammenzubringen, die über nun wichtige Themen nachdenken wollen. Nun wichtige Themen – das ist möglicherweise ganz etwas anderes als Themen, die in unserer an den drei Symptomen krankenden Gesellschaft als „wichtig“ anerkannt sind. Querdenker, das sind möglicherweise ganz andere Menschen als die derzeit in den Medien umjubelten Gurus. Bevor man Antworten geben kann, muss man erst einmal die richtigen Fragen finden.
Intendiert sind keine regelmäßigen Zusammenkünfte. Bei jedem Treffen wird ein eigenes Thema behandelt.