Der Seminarzyklus der Kar- und Ostertage auf der Hegge war eine berührende, kraftvoll gestaltete Zeit — geprägt von spiritueller Tiefe, kreativer Praxis und echter Gemeinschaft.
Am Mittwochabend begann das Seminar mit einer Einstiegsübung, die sofort eine Atmosphäre des Zuhörens und der Präsenz schuf. Unter der Anleitung von Pastor Ulli Auffenberg fand eine Schreib-Meditation statt: Im großen Vortragsraum waren in den vier Ecken Tische mit Flipchartbögen und Stiften aufgestellt, die jeweils einem Thema gewidmet waren — Meine Anfragen/Nöte bezüglich der Welt, bezüglich mir selbst, bezüglich der Kirche und bezüglich Natur und Umwelt. Die Teilnehmenden bildeten vier Gruppen und durchliefen schweigend die Ecken, schrieben ihre Gedanken, Sorgen und Hoffnungen nieder und hinterließen so ein vielstimmiges Netz aus persönlichen Eindrücken.
Im anschließenden Plenum öffnete Pastor Auffenberg den Raum für ein intensives Gespräch. Aus den schriftlichen Notizen heraus entwickelte sich ein Dialog, der sowohl persönliche Offenheit als auch gemeinsame Fragestellungen sichtbar machte — von existenziellen Ängsten bis hin zu konkreten Handlungsideen für Kirche und Umwelt.
Der Abend endete in einem gemeinsamen Gebet und einem Segen, der den Tag abrundete.
Der Gründonnerstag begann im Freien mit dem Ulmentanz — ein lebendiger, gemeinschaftsbildender Auftakt, der Geist und Körper in Einklang brachte. Zurück im Raum griff Pastor Auffenberg die zuvor in den vier Ecken gesammelten Stichworte erneut auf und leitete ein offenes Plenumsgespräch, das Verbindungen zwischen den persönlichen Anliegen und den größeren Themen der Kar- und Ostertage herstellte.
Im zweiten Teil widmete sich die Gruppe Rainer Maria Rilkes Gedicht „Der Ölbaumgarten“. Die Textarbeit entfaltete sich zu einem sehr guten, intensiven Austausch.
Am Nachmittag standen gemeinsame Vorbereitung und Singeprobe für die Mahlfeier im Zentrum. Die Mahlfeier selbst war dann ein Fest der Gemeinschaft: Sie fand an sieben Tischen statt, musikalisch getragen von Monika Kasper, Josef Verwimp, Marianne Stommel und Damian Lazarek mit Tafelmusik und Festleuchter, Schrifttexten, Schriftgespräch, Gebet und Gesang. Das Essen war lecker, es wurde von Tischdiener*innen aufgetragen, jede Speise wurde gesegnet, die Stimmung war fröhlich und zugleich andächtig.
Im Anschluss folgte ein altes Ritual, das den erschreckenden Abbruch des Lebens durch Verrat und Tod symbolisiert: der Altar wurde entblößt, die Kapelle ausgeräumt.
Den Karfreitagvormittag leitete Damian Lazarek: Thema war Psalm 130 — seine Struktur wurde erläutert, dann arbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen daran, eigene Psalmen zu verfassen. Die Atmosphäre war konzentriert und kreativ; die Gespräche tiefgehend, die entstandenen Texte sehr gelungen und berührend.
Am Nachmittag wurden einige der neu entstandenen Psalmen in die Liturgie in der Kapelle eingebracht; andere begleiteten den gemeinsamen Kreuzweg zum Kreuz „Geduld“. Auf dem Weg gab es Stationen mit Gebeten und Liedern — eine intensive, verbindende Einheit, in der die Gruppe noch enger zusammenfand.
Am Karfreitagabend folgte in der Kapelle eine Autorinnenlesung von Marianne Stommel: eigene Texte zu Trauer und Abschied, unterbrochen und bereichert durch Flöten‑ und Cellomusik — ein eindrücklicher Abschluss für den Tag.
Am Karsamstag begann der Vormittag mit zwei parallelen Workshops: Die Teilnehmenden teilten sich auf in einen Bibliodrama‑Workshop bei Pastor Auffenberg und einen kreativen Bibel‑Workshop zur Trauer der Frauen am Grab mit Friederike Plümpe. Beide Gruppen fanden schnell Zugang zu den biblischen Texten und zum eigenen Leben.
Am Nachmittag lud Kerstin Mettgen, Kräuterexpertin aus Borgentreich, zu einem besonderen, sehr gut vorbereiteten Workshop zur Salbenherstellung ein. Hier ging es um praktisches Tun mit den Händen. Hilfreich waren ihr fachliche Erklärungen und die Auswahl biblischer Kräuter. Pastor Auffenberg hatte zuvor betont, dass die selbst hergestellten Salben in der Osternacht gesegnet und verwendet werden sollten. Die Resonanz auf diese Einheit fiel sehr positiv aus.
Die Osternacht war dann sehr feierlich; externe Gäste bereicherten die Feier. In der Predigt gab Pastor Auffenberg einer Teilnehmerin des Bibliodrama-Workshops Raum, von ihren Erfahrungen zu berichten. Nach der Kommunion segneten sich die Teilnehmenden im großen Kreis gegenseitig mit der selbst hergestellten Salbe.
Nach der liturgischen Feier in der Kapelle ging die Osternachtsfeier im Hegge-Keller weiter.
Am Ostersonntag standen ein Ostertanz im Freien, ein Osterspaziergang („Was nehme ich mit?“) und ein gemeinsamer Austausch auf dem Programm, gefolgt von Schlussgespräch und Dankesworten.
Musikalische und liturgische Gestaltung
Die musikalische Begleitung (Orgel, Cello, Querflöte, Gitarre) war durchweg exzellent und trug wesentlich zur Atmosphäre bei.
Unsere Gruppe verließ das Seminar zufrieden und dankbar: gute Verpflegung, starke inhaltliche Impulse, handfeste Praxisangebote und eine warmherzige, kompetente Leitung durch Frau Dorothee, Pastor Auffenberg, Damian Lazarek, Kerstin Mettgen, Friederike Plümpe, Marianne Stommel und ihr ganzes musikalisches Team. Gemeinschaft, Austausch und kreative Rituale machten diese besonderen Tage zu einem nachhaltigen Erlebnis.
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