Veranstaltung war am: 20.02.2026 18:00 - 22.02.2026 15:00


Schlaf-Heil-Kunst

Die große Resonanz auf das erste „Gesundheitskulturseminar“ der HEGGE vom 20.-22. Februar 2026 unter dem Thema „Schlaf – Heil – Kunst“ hat uns überrascht. Das Teilnehmerinteresse überwog die verfügbaren Plätze, so dass wir eine Warteliste führen mussten.
Jetzt, nach Seminarende, müssen wir feststellen: Das Seminar war so gut, so besonders, so hilfreich, vielgestaltig, dass es um jede/n schade war, der/die nicht dabei sein konnte.

Das Seminar wurde eröffnet von Dorothee Mann, die gleich zu Anfang darauf hinwies, dass die Idee und Seminarkonzeption der Schlafärztin Dr. Charlotte Kleen (Aurich) zu verdanken sei. Auf ihre Frage, wer das erste Mal auf der Hegge sei, streckten sich ihr 17 Arme entgegen.
Dr. Charlotte Kleen übernahm alsbald die Gesprächsführung. Nach einer Vertraulichkeitsvereinbarung mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern lud sie dazu ein, sich von den Stühlen zu erheben. Ein Ball wurde in die Vorstellungsrunde gebracht: Wem der Ball zugespielt wurde, stellte sich der Gruppe vor und erläuterte seine Motivation zur Teilnahme an diesem Seminar. Schnell wuchsen untereinander Offenheit, Heiterkeit und Vertrauen.

An diese ausführliche Vorstellungsrunde schloss sich der Vortrag des renommierten Schlafmediziners Prof. Dr. Christoph Schöbel an. Ihm gelang es in großer Leichtigkeit, mit wissenschaftlicher Fundierung und viel Humor, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von dem unterschwellig vorhandenen „Leistungsdruck“ zu befreien: doch endlich schlafen können zu MÜSSEN. „Sie können alle schlafen, sonst würden Sie hier nicht mehr sitzen. Ihr Körper holt sich den Schlaf, den er dringend braucht; auch wenn Sie es nicht immer wahrnehmen.“ Schöbel räumte mit diversen Verboten und Fehlinformationen auf, die im Netz als Feinde des Schlafes kursieren. Dagegen machte er deutlich: Es ist gleichgültig, wie man seinen Abend gestaltet. Wichtig ist die Entspannung, das Loslassen, Befreiung von dem Druck, unbedingt schlafen zu müssen.

Der Samstag begann mit einer Einladung von Frau Dr. Kleen zu einer Lichttherapie, der etliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten und die sowohl Entspannung brachte als auch Raum zu Begegnung und Gespräch.
Nach Morgengebet und Frühstück gehörte der Vormittag dem bekannten Wissenschaftlerehepaar Zgoll von der Universität Göttingen. Die Altorientalistin Prof. Dr. Annette Zgoll überraschte das Plenum mit der Konstatierung, dass die Menschen im Alten Orient, in Mesopotamien im 18. Jahrhundert vor Christus, mit dem Schlaf nicht in erster Linie das Ziel verfolgten, abschalten zu wollen. Vielmehr legten sie sich abends nieder, um im Schlaf Botschaften der Götter und bestenfalls Einblicke in die Zukunft zu erhalten. Begegnungen mit den Gottheiten sind in dieser Wirklichkeitsvorstellung vorzugsweise im Schlaf, insbesondere durch die Träume möglich. Entsprechende Rituale bilden eine Brücke, damit diese Begegnung und Offenbarung gelingt.
Der Klassische Philologe Prof. Dr. Christian Zgoll ordnete den Schlaf im antiken Griechenland als „leiblicher Bruder des Todes“ ein: Hypnos und Thanatos sind nach antiker Vorstellung verwandt, beide sind „Kinder der Nacht“. Der Schlaf ist ein halber Tod, ein Tod auf Zeit. U.a. wurde auch Aristoteles zitiert, der bereits im 4. Jh.v.Chr. erstaunlich genaue (und bis heute gültige) Beobachtungen zur Bedeutung des Schlafes zusammengetragen hat.

Der Samstag Vormittag endete leichtfüßig und lebenspraktisch mit drei Impulsen von Frau Dr. Kleen zur Pausengestaltung: 1. INEMURI – ein japanischer Begriff, der dazu einlädt, seine Pause auch in der Öffentlichkeit zu nehmen, sich nicht zu verstecken. 2. Hinweis auf die SLEEP-App von Max Richter. 3. Einladung, den WORT-WEG der HEGGE in der Mittagszeit zu gehen, an den Stationen zu verweilen und so die Natur und die gute Luft zu genießen.

Nach leckerem Mittagessen und der je selbst gestalteten Mittagspause stellte Dr. Charlotte Kleen am Samstag Nachmittag DIGITALE GESUNDHEITSANWENDUNGEN dar. Das Neue und Besondere: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA‘s) wurden mit dem Digitalen-Versorgungs-Gesetz (DVG) bereits 2019/2020 in der gesetzlichen Krankenversicherung verankert, hat aber bislang kaum Resonanz erfahren.
Digitale Gesundheitsanwendungen, in der Regel sind das kosten- und verschreibungspflichtige, Apps, gibt es mittlerweile zur Behandlung sehr vieler Krankheiten, u.a. auch für den Bereich der Schlafmedizin. Dr. Kleen stellte daraus insbesondere zwei DiGA’s vor, nämlich SOMNIO (Mementor DE GmbH) als ein digitales Schlaftraining innerhalb der kognitiven Verhaltenstherapie zur Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen, sowie SOMNOVIA (GAIA AG), das ebenfalls ein interaktives KVT-Programm für Insomnie bietet.
Viele Gespräche mit der erfahrenen Schlafmedizinerin schlossen sich an.

Am Abend wurde die Gruppe zum ersten Schlafkonzert auf der HEGGE eingeladen: Julia und Julian Buch hatten den großen Vortragsraum in einen gemütlichen Schlafsaal verwandelt. Julia Buch, Künstlerin, Sängerin, Komponistin, Erfinderin und Gründerin der Schlafkonzerte, beschenkte die Gruppe mit wunderbarer Musik, eigenen Liedern, die der Herzrhythmik entsprechen und zauberte etliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einen wohltuenden Schlaf. Ein unvergessliches Erlebnis!

Der Sonntag wurde mit einem gemeinschaftstiftenden Gottesdienst in der Kapelle begrüßt. Nach dem Frühstück trug Julia Buch in einer Mischung aus Vortrag, Liedern, Liederläuterungen und interaktiven Elementen zentrale Gedanken zum Thema Schlaf – Akku aufladen auf künstlerische Weise vor: Eine gestresste Gesellschaft reagiert überreizt. Stress übersäuert uns und unsere Gesellschaft. Was sind unsere Stressoren? Überreizung sucht Ventile! Ihr Tipp: Dagegen etwas mit den Händen tun! Zwischen Reiz und Reaktion befindet sich der Garten der Emotionen und der Sinne. Wie groß ist der Garten? Der Garten ist der Raum für Reifung und Resilienz. In der Mitte des Gartens ist der Quellkern, aus dem etwas fließt. 1 Kor 12: Das Lied von der Liebe. Unsere Sinne spüren, ob etwas Leben gibt oder nimmt. Bist du gefüllt mit Liebe? Bist du gefüllt mit Liebe? Liebe gibt Sinn. Sinn-voll dasein!
Julia Buch entpuppte sich als kreative und tiefgründige Botschafterin der Sinne, des Sinns und des guten Lebens.

Mit einer letzten Gesprächsrunde mit der Schlafärztin Dr. Charlotte Kleen sowie einem Schlussgespräch ging dieses besondere Seminar zuende.
Ein besonderer Dank für das große Engagement aller Referentinnen und Referenten, der Moderatorin sowie Dank für das Vertrauen und das Sich-Einlassen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dieses Gesundheitskulturseminar.