Veranstaltung war am: 18.09.2026 15:30 - 20.09.2026 14:00


„LET IT BE“ – zulassen – loslassen – sich ver-lassen

Let it be

 

„LET IT BE“, so lautete der Titel des diesjährigen Seminars unter Leitung von Sr. Hildegard Wolters OSB (Fulda) zur „benediktinischen Spiritualität außerhalb von Klostermauern“ vom 18.-20. September 2026. „Gelassenheit“ war das Thema, insbesondere die drei Haltungen des Zulassens, Loslassens und Sich-Verlassens. Die Teilnehmenden waren eingeladen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie ein gelassener Umgang mit sich selbst, mit anderen Menschen und mit den Herausforderungen des Lebens gelingen kann.

Zu Beginn des Seminars am Freitag Nachmittag stand zunächst das körperliche und sinnliche Ankommen im Mittelpunkt. Bei einem Rundgang durch den HEGGE-Park konnten die Teilnehmenden den Ort mit allen Sinnen wahrnehmen. Geräusche, Farben, Gerüche, unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten und die Atmosphäre der Umgebung boten vielfältige Möglichkeiten, aus dem Alltag herauszutreten und bewusst auf der HEGGE anzukommen.

Am Abend fand eine Ankommrunde statt. Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, aus einem geistlichen Text zum Thema „Loslassen“ jeweils einen Vers auszusuchen, von dem sie besonders angesprochen sind. Alle konnten persönliche Erfahrungen und Fragen einbringen und so in das Seminarthema hineinfinden.

Am Samstag Vormittag wurde die Seminargruppe von Sr. Hildegard zunächst liturgisch und musikalisch auf die Vesper vorbereitet und eingestimmt.

In der anschließenden Seminareinheit mit Dr. Sandra Legge wurde eingangs die gesellschaftliche Relevanz von Gelassenheit vorgestellt und diskutiert. Im Anschluss erfolgte eine kurze historische Begriffsgenese sowie eine Arbeitsdefinition von Gelassenheit. Das Gelassenheitskonzept von Meister Eckhart wurde modernen Gelassenheits- und Achtsamkeitskonzepten gegenübergestellt und die wesentlichen Unterschiede wurden herausgearbeitet. Im Anschluss wurde eine praktische Übung vorgestellt. Es geht dabei um konstatierendes aufmerksames Wahrnehmen. Die Übung ist Bestandteil der Methode der Introvison, begründet von Prof. Angelika C. Wagner. Sie dient der Auflösung innerer Konflikte, bezieht sich insbesondere auf das „Zulassen“ und stellt eine Selbstmanagement-Methode dar. Zugleich fügt sich die Methode durchaus in das Gelassenheitskonzept von Meister Eckhart.
Die Teilnehmenden hatten zum Abschluss der Einheit die Möglichkeit, die Übung selbst zu praktizieren und sich über ihre Erfahrungen auszutauschen.

Am Nachmittag folgte eine Bibelarbeit mit Frau Dorothee zu Psalm 23. Dieser Psalm eröffnet einen Erfahrungsraum, in dem Vertrauen, Begleitung und Geborgenheit vermittelt werden. Bilder von grünen Auen, frischem Wasser, dunklen Tälern und einem gedeckten Tisch machten erfahrbar, dass Gelassenheit aus dem Vertrauen wachsen kann, auch „vor dem Angesicht der Feinde“ nicht allein unterwegs zu sein. Zugleich lud der Text dazu ein, eigene Lebenssituationen und Erfahrungen mit den biblischen Bildern in Verbindung zu bringen.

Den Abschluss des Tages bildete die Vorführung des Films Perfect Days von Wim Wenders. Der Film erzählt von einem Menschen, der seinen Alltag in großer Aufmerksamkeit und mit besonderer Einfachheit lebt. Routinen, Begegnungen, Naturerfahrungen und kleine Momente des Glücks erhalten dabei eine eigene Bedeutung. Durch den Film konnte der Blick darauf gelenkt werden, wie Gelassenheit im Alltag sichtbar werden kann und welche Rolle Achtsamkeit, Genügsamkeit und die Annahme des Gegebenen dabei spielen.

Der Vortrag von Sr. Hildegard am Sonntag Vormittag lud auf eindrucksvolle und berührende Weise dazu ein, über Zulassen, Loslassen und Sich-Verlassen vor dem Hintergrund der Benediktsregel nachzudenken. Ausgehend von Beatrice Alemagnas Bilderbuch „Dinge, die vorübergehen“ wurde deutlich: Alles im Leben verändert sich und vergeht – nur die Liebe bleibt. Mit großer menschlicher Wärme und geistlicher Tiefe verband sich Musik mit Gedanken aus der Benediktsregel sowie Texten von Fulbert Steffensky, Paul Weismantel, Leo Tolstoi, Franz Meurer und David Steindl-Rast. Sie alle zeigen auf unterschiedliche Weise, dass Gelassenheit, Barmherzigkeit, Dankbarkeit und tragende Beziehungen dem Leben seinen bleibenden Wert geben. Der wahre „Ewigkeitswert“ liegt nicht in Besitz oder Leistung, sondern in verschenkter Liebe, gelebter Verbundenheit und dem Vertrauen, sich getragen zu wissen.

Ein abschließendes Gespräch bot Gelegenheit, die Erfahrungen und Erkenntnisse der vergangenen Tage zusammenzuführen. Die Teilnehmenden konnten benennen, welche Gedanken sie besonders beschäftigt hatten und welche Impulse sie in ihren Alltag mitnehmen wollten.

Das Seminar „LET IT BE“ lud dazu ein, das eigene Leben aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Zulassen, loslassen und sich ver-lassen erwiesen sich dabei als miteinander verbundene Bewegungen: wahrnehmen, was ist; annehmen, was nicht zu ändern ist; loslassen, was nicht festgehalten werden kann; und Vertrauen entwickeln in jene Wirklichkeit, die uns trägt.