Mit dem 20. Ökumenischen Fortbildungsseminar für Kirchenführer*innen konnte DIE HEGGE auch im Frühjahr 2026 die gute Tradition dieser Reihe fortsetzen, die auch für das ökumenische Gespräch so wertvoll und fruchtbar ist.
Die 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten sich zusammen aus Stadt-, Kirchen- und Klosterführer*innen. Darüber hinaus waren fünf evangelische Klöster bzw. Stifte personell vertreten: Kloster Walsrode, Kloster Mariensee, Stift Fischbeck, Kloster Loccum sowie Kloster Isenhagen. Isenhagen war vertreten durch seine Äbtissin.
Unser Ökumenisches Fortbildungsseminar richtet sich an Personen, die fachkundig durch Kirchen und Klöster führen und so die sakralen Räume einer breiten Öffentlichkeit vermitteln. Ziel ist es, die Rolle dieser Räume als Orte kultureller Identität und spiritueller Orientierung zu reflektieren, theologische, kunst- und liturgiegeschichtliche, ikonografische und historische Kompetenzen zu stärken und neue Sakralräume kennenzulernen. Die Veranstaltung verband fachliche Vorträge, Diskussionen und eine Tagesexkursion mit kollegialem Austausch und gemeinsamer spiritueller Verwurzelung in gemeinsamen Gottesdiensten, Gebet und Gesang, verstanden als eine „Gemeinde auf Zeit“.
Den inhaltlichen Auftakt gab der evangelische Theologe und Historiker Dr. Arnd Friedrich, Greetsiel, mit einem Seminartag über die Geschichte der Klöster im Protestantismus nach Einführung der Reformation. Hier erhielten die Teilnehmenden einen Überblick über die Folgen der Reformation für die Klostergemeinschaften, die weitere Entwicklung bis zur Säkularisation, über Veränderungen und Fortbestand einzelner Gemeinschaften bis hin zum Wandel klösterlicher Funktionen. An einzelnen Beispielen wurde gezeigt, wie Klosterbauten als Pfarrsitz, Schule oder Armenhaus neu genutzt wurden.
Den zweiten Seminartag gestaltete der katholische Theologe und Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Stefan Böntert aus Bochum. Unter dem Titel „In Vielfalt und Einheit“ skizzierte er Ordensgemeinschaften als Orte liturgischer Praxis: Dabei wurde herausgearbeitet, welch erstaunliche Vielfalt liturgischer Praxis (z.B. im Stundengebet) in der mannigfaltigen Klosterkultur durch die Jahrhunderte – allen Versuchen zur Vereinheitlichung zum Trotz – entstanden ist und bis heute gepflegt wird. In einem weiteren Schritt wurde aufgezeigt, welche Herausforderungen entstehen, wenn Ordensgemeinschaften sich neu orientieren müssen. Reform- und Erneuerungswillen, ein neues Kirchenbild und veränderte Gemeinschaftsstrukturen prägen Liturgie und modernen, der Gegenwart angepassten Kirchenbau. An Beispielen gelungener Um- und Wiederbelebungen wurde gezeigt, welche Chancen Umnutzungen und zeitgenössische Eingriffe bieten (können).
Ein weiterer zentraler Bestandteil der Fortbildung war die darauf folgende Tagesexkursion zu drei bedeutenden Bauzeugen des 12. Jahrhunderts: Zunächst führte Beate Wallmeier durch das ehemalige Kloster Bredelar (bei Marsberg). Sie stellte bauhistorische Befunde dar sowie gelungene Vermittlungsstrategien vor Ort. Die Kombination aus Klostergeschichte, Kultur und gegenwärtiger Nutzung vieler Akteure macht das Kloster Bredelar zu einem einzigartigen Ort.
Anschließend wurde die Evangelische Kirche in Adorf (Gemeinde Diemelsee) besichtigt, wobei besonders ihre einheitlich romanische Architektur als gewölbte Pfeilerbasilika im gebundenen System mit drei Doppeljochen sowie der kräftig vorgebaute Westturm als Wehrturm thematisiert wurde. Den Abschluss der Exkursion bildete eine Führung von Hildegard Becker (Förderverein Flechtdorf) durch die ehemaligen Benediktiner-Abtei Flechtdorf. Beim Rundgang durch die romanische, teils frühgotische Klosteranlage und Klosterkirche wurden Alltagsleben der Benediktiner, materielles und geistiges Erbe sowie Fragen zur touristischen wie geistlichen Neunutzung des Ortes erörtert.
Beim abschließenden gemütlichen Kaffeetrinken erfuhren wir benediktinische Gastfreundschaft durch den engagierten Förderverein Flechtdorf.
Am letzten Seminartag stand eine Einheit mit dem Paderborner Theologen und Kunstexperten Prälat Theodor Ahrens auf dem Programm. Unter dem Titel „Sakrales und Profanes oder: wie die Kunst gestaltet, was uns heilig ist“ wurde die Wechselwirkung zwischen religiöser Bedeutung und profaner Rezeptionsgeschichte in Kunst und Architektur thematisiert, wurden Kunstwerke und Raumgestaltungen als Vermittler sakraler Sinnzuschreibungen analysiert und Ambivalenzen sowie Aneignungsprozesse aufgezeigt.
Wie immer bei dieser Fortbildungsreihe wurde das Programm ergänzt durch Beiträge der Teilnehmer*innen, die den Kolleginnen und Kollegen ein Kunstwerk, eine Kirche oder einen Künstler erschließen. In diesem Jahr gab es sieben Teilnehmerbeiträge, nämlich über den Kaisersaal im Kloster Huysburg, über den Künstler Josef Baron, das Würfelkreuz auf dem Südfriedhof Brühl, einen Beitrag über das traditionelle Kunsthandwerk „Klosterstich“, das im Kloster Mariensee bis heute gelehrt und tradiert wird, über die Kathedrale und Basilica minor des Hl. Ludwig in St. Louis, Missouri, sowie die Kluskirche in Giershagen (Marsberg).
Beim Schlussgespräch wurde hervorgehoben, dass die Bausteine des Seminars sich inhaltlich sehr gut ergänzten und ineinander griffen. Das Seminar vertiefte historische, liturgische und baugeschichtliche Perspektiven auf Kirchen und Klöster und auf ihre Rolle in der Gegenwart.
Besonders gedankt wurde auch für die erlebte „Gemeinde auf Zeit“: die gute Gruppenatmosphäre, die gemeinsame Ausrichtung, die ökumenisch ansprechenden Gottesdienste, den Gesang, auch für die Ruhe in den Gottesdiensten.





























