Veranstaltung war am: 22.08.2025 15:30 - 24.08.2025 15:30


Fokus Afrika

Bereits zum fünften Mal stand im Christlichen Bildungswerk Die HEGGE Afrika drei Tage lang im Fokus einer Tagung.

Das Afrikabild in Deutschland bzw. Europa ist oft sehr einseitig geprägt. Dabei finden auf unserem Nachbarkontinent sehr viele spannende, z.T. widersprüchliche Entwicklungen statt. Doch darüber erfahren wir selten etwas.

Abbé Jacques Sawadogo, katholischer Priester aus Burkina Faso, berichtete vom interreligiösen Dialog und von Religionsfreiheit in seinem vorwiegend islamisch geprägten Land. Dieser war bis etwa 2015 von gegenseitigem Respekt und Toleranz gekennzeichnet. Man besuchte sich gegenseitig zu religiösen Festen und lebte ein wirkliches Miteinander. Doch seit 2016 wird das Miteinander von islamistischen Terroranschlägen heimgesucht, unter denen nicht nur Christen sondern vor allem Muslime sehr leiden. Bedingt durch Klimawandel und wachsende Armut könnten die Terroristen leicht Kämpfer rekrutieren oder junge Menschen zum Kampf zwingen. Trotzdem gebe es zum Dialog keine Alternative, weil er die Voraussetzung zum Frieden (auch weltweit) sei. Abbé Jacques feierte am Sonntag auch die Messe mit der Seminargruppe, bei der die madagassischen Teilnehmerinnen mit einem Gabentanz und einem Abschlusstanz weltkirchliches Flair in die Kapelle der HEGGE brachten.

Stella Gaitano, Buchautorin und Menschenrechtsverteidigerin, berichtete vom Sudan und vom jüngsten Staat in Afrika, dem Südsudan. Beide Länder sind durch jahrelange Bürgerkriege zerstört. In ihrem Buch „Endlose Tage am Point Zero“ schildert sie, was es bedeutet, in dieser äußeren wie inneren Zerrissenheit zu leben bzw. zu versuchen, zu überleben. Sie zeigt auf, woher Menschen die Kraft nehmen, trotz aller Schwierigkeiten nicht aufzugeben. Bei der Lesung wurde die Situation einer Familie geschildert, die im Sudan lebte, jedoch ihre Wurzeln im Süden des Sudans hat. Sie wurde mit der Gründung des Staates Südsudan (2011) staatenlos und musste in die unbekannte „Heimat“ zurückkehren, so wie vier Millionen weitere Südsudanesen.

Kurzfristig wegen der Absage einer Referentin war Pater Hans-Joachim Lohre aus Hövelhof eingesprungen. Er hat dreißig Jahre in Mali als Afrikamissionar gelebt und sich ebenfalls stark für den islamisch-christlichen Dialog eingesetzt. Auch in Mali gab es ein gutes Miteinander der Religionen, wobei das Christentum eher als Religion der Kolonialmacht Frankreich angesehen wird, während der Islam als ursprüngliche Religion (seit dem 14. Jahrhundert in Mali verbreitet) verstanden wird. Pater Lohre wurde im November 2022 von einer Untergruppe der Al-Qaida-Miliz entführt und war ein Jahr in Gefangenschaft. Sein Vortrag war aber keinesfalls hasserfüllt, sondern fast von Dankbarkeit für diese Zeit, in der er nach eigenen Worten von einem tiefen inneren Frieden erfüllt war. Er betonte, dass er von den Entführern gut behandelt wurde und erzählte dazu Beispiele, wie ein Entführer ihm seine eigene Jacke gegen die Kälte der Wüstennächte überlassen hatte. Sein großer Wunsch: „Vielleicht bringt meine Entführung den Dialog voran.“

Den Abschluss des Seminars gestaltete Dr. Norman Mukasa, Fachreferent bei Justitia et Pax. Die europäisch-afrikanische Geschichte ist sehr stark durch die Kolonialzeit geprägt. Die Besatzung, Ausbeutung und Aufteilung des Kontinents haben tiefe Spuren hinterlassen. Sich ihnen zu stellen und die Geschichte aufzuarbeiten, ist eine komplexe Unternehmung, aber notwendig, wenn man die Gegenwart verstehen und mitgestalten möchte. In einem interaktiven Vortrag stellte er die Gefahr von einseitigen Bildern dar, die das Gesamtbild von Afrika bestimmen. Er ging auch auf die deutsche Kolonialzeit ein, die zwar verhältnismäßig kurz war, aber von großer Brutalität gegenüber den Menschen in den besetzten Gebieten geprägt war.

Während des Seminars war auch ein Königspaar zu Gast auf der HEGGE: Der Diakon Ralf Knoblauch aus Bonn stellt aus alten Fachwerkbalken königliche Figuren her, um die Würde jedes Menschen, auch mit seinen Rissen und Unebenheiten, bewusst zu machen. Der König war von Christian Maier (missio) mitgebracht worden, die Königin ist eine Schenkung von Susanne Münch, Mitglied im Heggering. Sie wird dauerhaft auf der HEGGE bleiben.

Die Tagung fand in Kooperation mit der missio-Diözesanstelle Paderborn statt.