Veranstaltung war am: 15.06.2026 13:30 - 18.06.2026 15:30


Den Klosterradweg er-fahren

Den Klosterradweg er-fahren“ – ein Seminarrückblick auf den 15.–18. Juni 2026

Vier besondere Tage gingen viel zu schnell vorbei. Von Anfang an war spürbar, wie sehr das Seminar aufeinander abgestimmt war: miteinander in Bewegung sein, neue Orte entdecken und dabei Gedanken, Geschichten und Gesänge mitnehmen, die lange nachklingen.

Am Montag begann alles entspannt mit Kaffee, Kuchen und Canapés. In der Begrüßung und der Vorstellungsrunde kam schnell eine angenehme Gemeinschaft zusammen – freundlich, aufmerksam und neugierig auf das, was vor uns lag. Danach ging die erste Etappe auf den Rädern bzw. im gemeinsamen Ausflug Richtung Willebadessen. Die Führung durch die ehem. Klosterkirche St. Vitus durch Klaus Böhmer machte spürbar, wie viel Geschichte in den stillen Räumen steckt. Am Abend folgte ein echtes Highlight: Der Vortrag von Dr. Wolfgang Unger über „Die vergessene Hälfte“ brachte Schicksale genialer Komponistinnen auf bewegende und musikalisch-anrührende Weise näher – mit Hörbeispielen, die das Thema nicht nur erklärten, sondern erlebbar machten.

Der Dienstag stand ganz im Zeichen von Natur, Geschichte und Begegnung. Nach Morgengebet, Morgengesang und Frühstück ging es mit den Rädern los. Die Ankunft in den Nieheimer Tongruben und die Führung durch Dr. Burkard Beinlich machten deutlich, wie lebendig Landschaften sein können – geprägt von Vergangenheit und voller Vielfalt. Nach einem leckeren Mittagsimbiss mit Kartoffelsalat und Frikadellen ging es weiter in den Stadtkern von Nieheim: Vor dem historischen Weberhaus wurden wir überaus gastfreundlich empfangen von Dr. Anba Damian, dem Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Norddeutschland und Metropolit der koptischen Kirche in Deutschland. Nach wenigen Minuten kamen auch Schwester Damiana, Mutteräbtissin Axanj und zwei Novizinnen zum Gespräch dazu. Nach einer Führung durch das historische Weberhaus versammelten wir uns in der Kapelle des heutigen koptischen Nonnenklosters zu einem Vortrag über die Geschichte der Kopten, zu einer Gesprächsrunde, zum gemeinsamen Gebet, Segensbitten und Gesang. Zum Abschluss wurden wir in orientalischer Gastfreundschaft mit Kaffee, Kuchen und Eis verwöhnt. Bei dieser Begegnung wurde deutlich, wie verbindend Spiritualität, Kultur und gelebter Glaube sein können. Nach diesem eindrucksvollen Tag radelten die meisten von uns still und in Gedanken versunken die Strecke „nachhause“ zur Hegge zurück.

Am Mittwoch ging die gemeinsame Reise in anderer Tonart weiter: Nach einer ersten Wegstrecke am Vormittag führte uns ein erster Abstecher in Bellersen in das Haus Krus. Hier wurden wir von Frederik Köhler empfangen, der uns kundig durch die Ausstellung zu Annette von Droste-Hülshoff und ihrer Meisternovelle „Die Judenbuche“ führte. Leider war die Zeit viel zu knapp für ein so umfangreiches Thema! Auf jeden Fall ist es lohnend, nochmal mit mehr Zeit das Haus Krus zu besuchen. Unsere Tour führte uns weiter nach Marienmünster. Nach einem leckeren Mittagessen im „Klosterkrug“ trafen wir auf Josef Fuhrmann, einen wunderbaren, kompetenten und kommunikativen Klosterführer, der überaus anschaulich und einfühlsam erzählen und noch dazu die berühmte, kostbare Orgel erklingen lassen konnte! Dieser geführte Rundgang durch die Klosteranlage und die Klosterkirche der Abtei Marienmünster war ein großes Geschenk und machte den Ort lebendig. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Kuchen am Nachmittag radelten wir zurück Richtung Hegge.

Am Donnerstag schließlich rundete sich der Kreis: Nach Morgengebet und Frühstück starteten wir mit dem Fahrrad zur Klus Eddessen, einer Eremitage im Kreis Höxter. Der geführte Rundgang und das Gespräch mit Pastor Jürgen Drüker, der seit drei Jahren die Klus als Eremit bewohnt, hinterließen einen nachhaltigen Eindruck und manche Anfrage. Mit dem Schlussgespräch und der Seminarauswertung fand das Seminar seinen Abschluss. So endete eine Zeit, die nicht nur Tage gefüllt, sondern auch Spuren hinterlassen hat: in Gedanken, Gesprächen, Gesang und in der gemeinsamen Erfahrung, unterwegs zu sein und dabei mehr zu sehen als nur die Strecke.

UM Juni 2026