Den Klosterradweg er-fahren“ – ein Seminarrückblick auf den 15.–18. Juni 2026

Vier besondere Tage gingen viel zu schnell vorbei. Von Anfang an war spürbar, wie sehr das Seminar aufeinander abgestimmt war: miteinander in Bewegung sein, neue Orte entdecken und dabei Gedanken, Geschichten und Gesänge mitnehmen, die lange nachklingen.

Am Montag begann alles entspannt mit Kaffee, Kuchen und Canapés. In der Begrüßung und der Vorstellungsrunde kam schnell eine angenehme Gemeinschaft zusammen – freundlich, aufmerksam und neugierig auf das, was vor uns lag. Danach ging die erste Etappe auf den Rädern bzw. im gemeinsamen Ausflug Richtung Willebadessen. Die Führung durch die ehem. Klosterkirche St. Vitus durch Klaus Böhmer machte spürbar, wie viel Geschichte in den stillen Räumen steckt. Am Abend folgte ein echtes Highlight: Der Vortrag von Dr. Wolfgang Unger über „Die vergessene Hälfte“ brachte Schicksale genialer Komponistinnen auf bewegende und musikalisch-anrührende Weise näher – mit Hörbeispielen, die das Thema nicht nur erklärten, sondern erlebbar machten.

Der Dienstag stand ganz im Zeichen von Natur, Geschichte und Begegnung. Nach Morgengebet, Morgengesang und Frühstück ging es mit den Rädern los. Die Ankunft in den Nieheimer Tongruben und die Führung durch Dr. Burkard Beinlich machten deutlich, wie lebendig Landschaften sein können – geprägt von Vergangenheit und voller Vielfalt. Nach einem leckeren Mittagsimbiss mit Kartoffelsalat und Frikadellen ging es weiter in den Stadtkern von Nieheim: Vor dem historischen Weberhaus wurden wir überaus gastfreundlich empfangen von Dr. Anba Damian, dem Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Norddeutschland und Metropolit der koptischen Kirche in Deutschland. Nach wenigen Minuten kamen auch Schwester Damiana, Mutteräbtissin Axanj und zwei Novizinnen zum Gespräch dazu. Nach einer Führung durch das historische Weberhaus versammelten wir uns in der Kapelle des heutigen koptischen Nonnenklosters zu einem Vortrag über die Geschichte der Kopten, zu einer Gesprächsrunde, zum gemeinsamen Gebet, Segensbitten und Gesang. Zum Abschluss wurden wir in orientalischer Gastfreundschaft mit Kaffee, Kuchen und Eis verwöhnt. Bei dieser Begegnung wurde deutlich, wie verbindend Spiritualität, Kultur und gelebter Glaube sein können. Nach diesem eindrucksvollen Tag radelten die meisten von uns still und in Gedanken versunken die Strecke „nachhause“ zur Hegge zurück.

Am Mittwoch ging die gemeinsame Reise in anderer Tonart weiter: Nach einer ersten Wegstrecke am Vormittag führte uns ein erster Abstecher in Bellersen in das Haus Krus. Hier wurden wir von Frederik Köhler empfangen, der uns kundig durch die Ausstellung zu Annette von Droste-Hülshoff und ihrer Meisternovelle „Die Judenbuche“ führte. Leider war die Zeit viel zu knapp für ein so umfangreiches Thema! Auf jeden Fall ist es lohnend, nochmal mit mehr Zeit das Haus Krus zu besuchen. Unsere Tour führte uns weiter nach Marienmünster. Nach einem leckeren Mittagessen im „Klosterkrug“ trafen wir auf Josef Fuhrmann, einen wunderbaren, kompetenten und kommunikativen Klosterführer, der überaus anschaulich und einfühlsam erzählen und noch dazu die berühmte, kostbare Orgel erklingen lassen konnte! Dieser geführte Rundgang durch die Klosteranlage und die Klosterkirche der Abtei Marienmünster war ein großes Geschenk und machte den Ort lebendig. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Kuchen am Nachmittag radelten wir zurück Richtung Hegge.

Am Donnerstag schließlich rundete sich der Kreis: Nach Morgengebet und Frühstück starteten wir mit dem Fahrrad zur Klus Eddessen, einer Eremitage im Kreis Höxter. Der geführte Rundgang und das Gespräch mit Pastor Jürgen Drüker, der seit drei Jahren die Klus als Eremit bewohnt, hinterließen einen nachhaltigen Eindruck und manche Anfrage. Mit dem Schlussgespräch und der Seminarauswertung fand das Seminar seinen Abschluss. So endete eine Zeit, die nicht nur Tage gefüllt, sondern auch Spuren hinterlassen hat: in Gedanken, Gesprächen, Gesang und in der gemeinsamen Erfahrung, unterwegs zu sein und dabei mehr zu sehen als nur die Strecke.

UM Juni 2026

Am Samstag, 4. Juli hatte das Christliche Bildungswerk Die HEGGE zu einem FrauenFrühstück eingeladen. Haus und Park standen an diesem Tag allen Besucherinnen offen. Rund 80 Frauen genossen das gemeinsame Frühstück ebenso wie die vielfältigen Stationen. Sie erlebten die HEGGE „als Ort, der mir guttut“.

Gestärkt mit hausgemachten Leckereien aus der HEGGE-Küche erkundeten die Teilnehmerinnen das weitläufige Gelände.
An zahlreichen Stationen luden kleine »Kraftquellen« zum Entdecken ein … FrauenThemen, Kreativangebote und Gesprächsrunden, Worte und Wege, Bewegung und Begegnung, Kunst und Musik. Quer durch den HEGGE-Park, inmitten der Natur, sowie auch im Bildungshaus bot sich die Gelegenheit, abwechslungsreiche Angebote zu erkunden und dort zu verweilen, wo es einem besonders gefiel:

1     Kraftkarten… in Farbe und Wort
2    Kraftquelle Beckenboden. Aktivierung für Körper & Seele
3    Quelle des Segens. Zuspruch für dich
4    Atem & Energie. Einfache QiGong-Übungen
5    Ruheecke mit Kreidebild. Die Quelle lebendigen Wassers
6    Wege zur Kraft. Ein Labyrinth gehen
7    ‚Streu Glitzer drauf‘. Funkelnde Kraft im Glas
8    Oasenzeit. Ein spiritueller Impuls
9    Kraft durch Klang. Mit-Sing-Zeit
10  Gemeinsam auftanken. Kühle Getränke & gute Begegnungen

In einem engagierten FrauenTeam wurde die Veranstaltung geplant und durchgeführt. Viele Frauen brachten ihre Talente auf wunderbare Weise ein. Am Ende waren sich alle einig: Dieser Vormittag hat viel Freude gemacht und gutgetan.
Ein Wassertropfen aus der Kraftquelle ebenso wie ein Segenswunsch begleiteten die Frauen auf ihrem Heimweg.

„Wir öffnen unsere Türen auch weiterhin zum FrauenOrt“, kündigt Dr. Anne Kirsch von der HEGGE an. Am Dienstag, 24. November bietet ein FrauenAbend »königliche« Momente in der stillen und trüben Jahreszeit.
https://die-hegge.de/die-hegge-als-frauenort-5/

 

Sich verbünden – füreinander, für die HEGGE, für das Gemeinwohl

 

Mit diesem Motto ist der Freundeskreis der HEGGE in eine intensive, impulsreiche und stärkende gemeinsame Zeit gestartet. Von Freitagnachmittag bis Samstagmittag wurden Geschichten lebendiger Bücher gehört und besprochen, es wurde gemeinsam diskutiert, gemeinsam (Gottesdienst) gefeiert und am Ende standen zahlreiche Ideen, um das Füreinander, die HEGGE und das Gemeinwohl zu stärken.

Da gemeinsames Wirken eine regelmäßige Vergewisserung benötigt, war der Wunsch in der Gruppe groß das Präsenztreffen nicht, wie angedacht, alle zwei Jahre, sondern jedes Jahr und mit einer zusätzlichen Übernachtung durchzuführen. Auch mit Blick auf das Onlinetreffen sprach sich die Mehrheit für zwei Treffen pro Jahr aus.

(O-Ton eines TN) „Es ist ein Prozess, gute Ideen wurden angeregt. Es bedarf jetzt einer guten Führung. Damit verbunden steht die Aufforderung – Bleibt dran, sonst verpuffen die Ideen. Haltet uns bei der Stange!“

Das HEGGE-Team bedankt sich bei allen Freunden und Freundinnen für die intensive und impulsreiche gemeinsame Zeit!

 

Freitag, 19. Juni 2026  
15.00 Uhr Beginn mit Kaffeetrinken
  Begrüßung und Kennenlernen
anschließend „Lebendige Bibliothek“ – Lassen Sie sich überraschen!
abends Abendessen im Park
  „Sich verbünden“ 
– füreinander
– für die HEGGE
– für unser Gemeinwohl
Gesprächsrunde
Samstag, 20. Juni 2026  
vomittags Was ich schon immer über Die HEGGE wissen wollte
Frage- und Gesprächsrunde
  Gemeinsamer Gottesdienst
14.00 Uhr Ende des Seminars

Wie erleben hochbegabte Kinder ihre Umwelt? Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für Schule und Familie? Und wie können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, ihre besonderen Fähigkeiten zu entfalten, ohne sie zu überfordern? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Seminar „Hochbegabung gemeinsam leben – Wege für Familien“, das auf der HEGGE in Kooperation mit dem Gymnasium Brede in Brakel und der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind stattfand. Während die Eltern an einer dreiteiligen Fortbildung teilnahmen, arbeiteten die zehn mitgereisten Kinder parallel in einem Zauber- oder Theaterworkshop.

Den Auftakt bildete eine gemeinsame Einführung, bevor sich Eltern und Kinder auf ihre unterschiedlichen Programme verteilten. Die Eltern wurden von der Lerntherapeutin und ECHA-Coachin Petra Dietzler begleitet, die ihre langjährige Erfahrung in der Arbeit mit hochbegabten und neurodivergenten Kindern einbrachte. In drei aufeinander aufbauenden Einheiten zeigte sie, dass Hochbegabung weit mehr bedeutet als ein hoher Intelligenzquotient oder gute schulische Leistungen. Im Mittelpunkt standen die besondere Art der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung, die häufig asynchrone Entwicklung von kognitiven und emotionalen Fähigkeiten sowie die Frage, wie Familien mit intensivem Erleben, Perfektionismus und hohen Ansprüchen konstruktiv umgehen können.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Schulalltag hochbegabter Kinder. Gemeinsam wurden Ursachen für Unterforderung, Konflikte mit Lehrkräften oder Mitschülern sowie unterschiedliche Reaktionsweisen – vom Rückzug bis zum Klassenclown – beleuchtet. Zugleich wurden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Eltern gemeinsam mit der Schule positive Lernbedingungen schaffen und ihre Kinder stärken können. Den Abschluss bildete der Blick auf das Familienleben. Anhand praktischer Beispiele, konkreter Strategien und vieler Fragen aus der Gruppe entwickelten die Teilnehmenden Ideen, wie Konflikte entschärft, Ressourcen gestärkt und der Familienalltag entlastet werden können. Besonders geschätzt wurden die große Fachkompetenz der Referentin sowie der offene Austausch mit anderen betroffenen Familien, der von vielen Teilnehmenden als ebenso wertvoll wie die fachlichen Impulse beschrieben wurde.

Parallel dazu erlebten die Kinder zwei Workshops, die ihre Interessen, ihre Kreativität und ihre individuellen Stärken in den Mittelpunkt stellten. Im Zauberworkshop tauchten sie Schritt für Schritt in die Welt der Magie ein. Dabei lernten sie nicht nur verblüffende Tricks mit Karten, Münzen, Bechern oder Alltagsgegenständen kennen, sondern setzten sich auch mit den Prinzipien optischer Täuschung auseinander. Ohne Leistungsdruck entstand eine Atmosphäre, in der ausprobiert, getüftelt und eigene Ideen weiterentwickelt werden konnten. Die Kinder fanden ihren Platz in der Gruppe, unterstützten sich gegenseitig und entdeckten unterschiedliche Wege, ihre Fähigkeiten einzubringen – sei es beim konzentrierten Üben komplizierter Fingerfertigkeiten oder beim selbstbewussten Präsentieren der eigenen Kunststücke.

Im Theaterworkshop entwickelten die Kinder ausgehend von dem Bilderbuch „Der Hund war’s, ich schwör!“ ihre eigene Bühnenfassung. Statt eines fertigen Skripts standen ihre Ideen im Mittelpunkt. Gemeinsam wurden Rollen entwickelt, Szenen gestaltet, Gestik und Sprache ausprobiert und das Stück immer wieder verändert. Die Theaterpädagogin schuf einen Rahmen, der den Kindern viel Freiraum ließ und zugleich Orientierung gab. So konnten unterschiedliche Persönlichkeiten ihren Platz finden: manche mit großer Spielfreude auf der Bühne, andere eher leise und beobachtend, aber dennoch mit wichtigen Beiträgen für das gemeinsame Ergebnis. Aus den vielen Einfällen entstand Schritt für Schritt eine Aufführung, die die Handschrift der Kinder trug und von allen mitgetragen wurde.

Den Abschluss des Seminars bildete die Präsentation der beiden Workshops vor den Eltern. Die jungen Zauberkünstler führten ihre Kunststücke vor und sorgten mit verblüffenden Effekten für staunende Gesichter. Die Theatergruppe präsentierte ihre humorvolle Inszenierung und erntete großen Applaus. In der gemeinsamen Reflexion berichteten Eltern, wie begeistert ihre Kinder von den Workshops gewesen seien. Einige hätten sich gewünscht, sofort weiterzumachen, andere seien über sich hinausgewachsen und mit sichtbarem Stolz aufgetreten. Besonders hervorgehoben wurden die hohe Qualität der Workshops sowie die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und sich ohne Leistungsdruck kreativ zu entfalten.

Das Seminar machte deutlich, dass Familien mit hochbegabten Kindern sowohl von fundierten fachlichen Impulsen als auch von Räumen profitieren, in denen Kinder und Eltern ihre Erfahrungen teilen, voneinander lernen und ihre jeweiligen Stärken entfalten können. Die Verbindung aus Elternfortbildung und eigenständigen Kinderworkshops erwies sich dabei erneut als ein Konzept, das den Bedürfnissen aller Beteiligten gerecht wurde.

Die HEGGE bedankt sich bei der Osthushenricht-Stiftung für die finanzielle Unterstützung der Kinder-Workshops, welche uns „familienfreundliche“ Preisgestaltung ermöglichte.

Naturerfahrungen sind für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit wichtig. Doch wo kommen wir heute noch mit Natur in Berührung? Im Seminar wollen wir Natur bewusst selber erleben und dann überlegen, wie sich Naturerlebnisse auch für Menschen mit Beeinträchtigungen im Alltag umsetzen lassen.

Kreativ, anregend und spielerisch haben wir Natur gemeinsam und in Einzelarbeit entdeckt und in den beruflichen Kontext übertragen. Dies geschah in praktischen Aktivitäten, aber auch in bewussten Stillephasen und spirituellen Einheiten. Dazu gab es Raum und Zeit für Fragen und Gespräche sowie für Spiel, Spaß und Kreativität.

 

Vom 1. bis 3. Mai beschäftigte sich eine Gruppe von zwölf politisch interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf der HEGGE mit den Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine für die Sicherheit Europas. Unter dem Titel „Wie sicher ist Europa? Russlands Krieg in der Ukraine als Wendepunkt europäischer Politik“ beleuchteten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Bundeswehr unterschiedliche Perspektiven auf den Krieg, seine Ursachen und seine langfristigen Auswirkungen auf die europäische Ordnung.

Zum Auftakt analysierte Dr. Manfred Sapper die historischen und politischen Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine. Er machte deutlich, dass es Russland nicht allein um territoriale Gewinne gehe, sondern um die Zerstörung einer autonomen ukrainischen Gesellschaft, die eigenständig über ihre Zukunft entscheiden wolle. Die Teilnehmenden diskutierten die unterschiedlichen politischen Entwicklungen in beiden Staaten seit dem Zerfall der Sowjetunion sowie die Bedeutung der Annexion der Krim für die sicherheitspolitische Orientierung der Ukraine Richtung NATO und EU. Am Abend richtete der Referent den Blick auf die Entwicklungen innerhalb Russlands selbst. Er beschrieb den gesellschaftlichen Wandel nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, das Fortbestehen imperialer Denkweisen und die zunehmende Militarisierung und Zentralisierung unter Präsident Putin. Besonders eindrücklich blieb seine Aussage, dass die russische Gesellschaft nicht nur Opfer des Systems sei, sondern autoritäre Entwicklungen vielfach mitgetragen habe.

Am Samstagmorgen brachte Ljudmyla Melnyk eine ukrainische Perspektive in die Tagung ein. Bilder aus dem Kriegsalltag, Berichte über zerstörte Städte und persönliche Erfahrungen verdeutlichten die Realität des Krieges. Zugleich betonte die Referentin, dass in der Ukraine trotz allem ein normales Leben weitergeführt werde, weil die Menschen keine Alternative dazu hätten. Sie erläuterte die Bedeutung des Maidan für die ukrainische Orientierung nach Europa und warnte davor, die sicherheitspolitische Bedeutung der Ukraine für Europa zu unterschätzen: „Die Sicherheit Europas kann ohne die Ukraine nicht garantiert werden.“

Am Nachmittag widmete sich Andreas Heinemann-Grüder der Zukunft der NATO und der europäischen Sicherheitspolitik. Angesichts wachsender Unsicherheiten in den transatlantischen Beziehungen und möglicher Veränderungen der amerikanischen Außenpolitik stellte sich die Frage nach größerer europäischer Eigenständigkeit. Der Referent sprach über hybride Bedrohungen, die Notwendigkeit gemeinsamer europäischer Sicherheitsstrukturen und die Möglichkeit, dass sich die NATO künftig stärker zu flexiblen „Koalitionen der Willigen“ entwickeln könnte.

Am Abend berichtete Robin Lintemeier aus der Perspektive der Bundeswehr über die sicherheitspolitische „Zeitenwende“. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen der Bündnisverteidigung, die personelle und materielle Ausstattung der Bundeswehr sowie Deutschlands Rolle als logistische Drehscheibe innerhalb der NATO. Eindrücklich schilderte der Referent seine Erfahrungen aus Litauen und fasste die gegenwärtige sicherheitspolitische Lage mit dem Satz zusammen: „Wir bereiten uns auf einen Krieg vor, um diesen nicht zu führen.“

Am Sonntag analysierte Kai-Olaf Lang die unterschiedlichen Positionierungen ostmitteleuropäischer Staaten im Umgang mit dem Krieg in der Ukraine. Während einige Länder als entschlossene „Frontstaaten“ auftreten, setzen andere stärker auf Verhandlungen und Distanz zu westlichen Sanktions- und Unterstützungsmaßnahmen. In einer abschließenden Gruppenarbeit diskutierten die Teilnehmenden mögliche Perspektiven einer zukünftigen europäischen Sicherheitsordnung, die Rolle der Ukraine und den Umgang Europas mit den Ungewissheiten der transatlantischen Beziehungen.

In der Schlussrunde wurde deutlich, dass viele Teilnehmende eine größere sicherheitspolitische Eigenständigkeit Europas inzwischen für notwendig halten. Zugleich äußerten einige die Überraschung darüber, heute für Formen der Aufrüstung zu plädieren, die sie früher entschieden abgelehnt hätten. Die Tagung machte deutlich, wie stark der Krieg in der Ukraine politische Gewissheiten verändert und sicherheitspolitische Debatten in Europa neu ausrichtet.

 

 

Das Seminar für Naturinteressierte begann mit einem kleinen Quiz zu Mooren. In Kleingruppen fanden die Teilnehmenden z.B. heraus, was eine Moorjungfer ist und was es mit Paludikultur auf sich hat.

Am ersten Abend sprach Prof. Dr. Klaus-Holger Knorr von der Universität Münster. Er ist Moorexperte und weltweit in natürlichen, naturnahen und gestörten Mooren unterwegs. Er beschäftigt sich mit Moorschutz und Moornutzung in Deutschland, Kanada, Patagonien, China, Schweden und weiteren Ländern. So konnte er Bilder von Mooren in ihrer Vielfältigkeit aus der ganzen Welt zeigen, die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz, aber auch ihre Gefährdung erläutern. Dies geschah auf eine gut verständliche, vor allem aber begeisternde Art und Weise und ging beinahe nahtlos in eine intensive und belebte Diskussion über. Das mitgebrachte Torfmoos sowie Torfsoden und die Erklärungen daran machten Moorkunde anfassbar und im besten Sinne be-greifbar. Fazit der Teilnehmenden: Wie gerne hätten wir bei so einem engagierten, begeisternden Professor studiert!

Am Samstag führte Diplom-Biologe Christian Finke von der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne e.V. in einem Power-Point-Vortrag in die Flora und Fauna heimischer Moore ein. Erläutert wurde anhand praktischer Beispiele die Grundlage der erfolgreichen Wiedervernässung von Mooren. Dabei zeigte er viele Bilder aus dem Exkursionsziel Schwarzes Bruch, einem renaturierten Moor im Eggegebirge, in dem sich seltene Tier- und Pflanzenarten wieder angesiedelt haben.
Am Nachmittag schlüpften die Teilnehmenden in die Rolle verschiedener Akteure und Akteurinnen bei einem Planspiel zur geplanten Wiedervernässung eines Moores in dem fiktiven Städtchen Möhrstedt. Sie repräsentierten z.B. die Anwohnenden, landwirtschaftliche Betriebe, Gemeindevertretung, Institut für Moorforschung etc. Dabei wurde deutlich, dass es gar nicht so einfach ist, tragfähige Kompromisse zu erzielen.

Der Film „Die Magie der Moore“ entführte die Seminargruppe in die Moore Nordeuropas. Die Filmsequenzen wurden über fünf Jahre mit verschiedenen Filmtechniken erstellt und zeigen, dass man die Bedeutung von Mooren nicht nur an Zahlen messen kann, sondern das Moore einfach eine erhaltenswerte „Zauberlandschaft“ sind.
Den Abschluss des Seminars bildete eine Exkursion unter der fachkundigen Leitung von Christian Finke ins Schwarze Bruch bei Lichtenau. Trotz starken Regens am frühen Morgen brauchte niemand den Regenschirm aufzumachen. Dennoch waren Gummistiefel äußerst nützlich, denn den Moorbereich hätte man sonst nicht „trockenen Fußes“ erkunden können. Neben verschiedenen Gräsern und Moosen, konnte man die faszinierende Moorlandschaft entdecken. Wiesenpieper und Feldschwirl aus der Vogelwelt und ausgedehnte Polster der Moosbeere zeigen, dass von der Wiedervernässung Arten profitieren, die andernorts schon ausgestorben sind.

haiku zum seminar:
weißes wollgras wächst
auf dem schwammfeuchten boden –
lebendiges moor
(Autorin Karola Wittschier)

 

Der Seminarzyklus der Kar- und Ostertage auf der Hegge war eine berührende, kraftvoll gestaltete Zeit — geprägt von spiritueller Tiefe, kreativer Praxis und echter Gemeinschaft.

Am Mittwochabend begann das Seminar mit einer Einstiegsübung, die sofort eine Atmosphäre des Zuhörens und der Präsenz schuf. Unter der Anleitung von Pastor Ulli Auffenberg fand eine Schreib-Meditation statt: Im großen Vortragsraum waren in den vier Ecken Tische mit Flipchartbögen und Stiften aufgestellt, die jeweils einem Thema gewidmet waren — Meine Anfragen/Nöte bezüglich der Welt, bezüglich mir selbst, bezüglich der Kirche und bezüglich Natur und Umwelt. Die Teilnehmenden bildeten vier Gruppen und durchliefen schweigend die Ecken, schrieben ihre Gedanken, Sorgen und Hoffnungen nieder und hinterließen so ein vielstimmiges Netz aus persönlichen Eindrücken.

Im anschließenden Plenum öffnete Pastor Auffenberg den Raum für ein intensives Gespräch. Aus den schriftlichen Notizen heraus entwickelte sich ein Dialog, der sowohl persönliche Offenheit als auch gemeinsame Fragestellungen sichtbar machte — von existenziellen Ängsten bis hin zu konkreten Handlungsideen für Kirche und Umwelt.

Der Abend endete in einem gemeinsamen Gebet und einem Segen, der den Tag abrundete.

Der Gründonnerstag begann im Freien mit dem Ulmentanz — ein lebendiger, gemeinschaftsbildender Auftakt, der Geist und Körper in Einklang brachte. Zurück im Raum griff Pastor Auffenberg die zuvor in den vier Ecken gesammelten Stichworte erneut auf und leitete ein offenes Plenumsgespräch, das Verbindungen zwischen den persönlichen Anliegen und den größeren Themen der Kar- und Ostertage herstellte.

Im zweiten Teil widmete sich die Gruppe Rainer Maria Rilkes Gedicht „Der Ölbaumgarten“. Die Textarbeit entfaltete sich zu einem sehr guten, intensiven Austausch.

Am Nachmittag standen gemeinsame Vorbereitung und Singeprobe für die Mahlfeier im Zentrum. Die Mahlfeier selbst war dann ein Fest der Gemeinschaft: Sie fand an sieben Tischen statt, musikalisch getragen von Monika Kasper, Josef Verwimp, Marianne Stommel und Damian Lazarek mit Tafelmusik und Festleuchter, Schrifttexten, Schriftgespräch, Gebet und Gesang. Das Essen war lecker, es wurde von Tischdiener*innen aufgetragen, jede Speise wurde gesegnet, die Stimmung war fröhlich und zugleich andächtig.

Im Anschluss folgte ein altes Ritual, das den erschreckenden Abbruch des Lebens durch Verrat und Tod symbolisiert: der Altar wurde entblößt, die Kapelle ausgeräumt.

Den Karfreitagvormittag leitete Damian Lazarek: Thema war Psalm 130 — seine Struktur wurde erläutert, dann arbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen daran, eigene Psalmen zu verfassen. Die Atmosphäre war konzentriert und kreativ; die Gespräche tiefgehend, die entstandenen Texte sehr gelungen und berührend.

Am Nachmittag wurden einige der neu entstandenen Psalmen in die Liturgie in der Kapelle eingebracht; andere begleiteten den gemeinsamen Kreuzweg zum Kreuz „Geduld“. Auf dem Weg gab es Stationen mit Gebeten und Liedern — eine intensive, verbindende Einheit, in der die Gruppe noch enger zusammenfand.

Am Karfreitagabend folgte in der Kapelle eine Autorinnenlesung von Marianne Stommel: eigene Texte zu Trauer und Abschied, unterbrochen und bereichert durch Flöten‑ und Cellomusik — ein eindrücklicher Abschluss für den Tag.

Am Karsamstag begann der Vormittag mit zwei parallelen Workshops: Die Teilnehmenden teilten sich auf in einen Bibliodrama‑Workshop bei Pastor Auffenberg und einen kreativen Bibel‑Workshop zur Trauer der Frauen am Grab mit Friederike Plümpe. Beide Gruppen fanden schnell Zugang zu den biblischen Texten und zum eigenen Leben.

Am Nachmittag lud Kerstin Mettgen, Kräuterexpertin aus Borgentreich, zu einem besonderen, sehr gut vorbereiteten Workshop zur Salbenherstellung ein. Hier ging es um praktisches Tun mit den Händen. Hilfreich waren ihr fachliche Erklärungen und die Auswahl biblischer Kräuter. Pastor Auffenberg hatte zuvor betont, dass die selbst hergestellten Salben in der Osternacht gesegnet und verwendet werden sollten. Die Resonanz auf diese Einheit fiel sehr positiv aus.

Die Osternacht war dann sehr feierlich; externe Gäste bereicherten die Feier. In der Predigt gab Pastor Auffenberg einer Teilnehmerin des Bibliodrama-Workshops Raum, von ihren Erfahrungen zu berichten. Nach der Kommunion segneten sich die Teilnehmenden im großen Kreis gegenseitig mit der selbst hergestellten Salbe.
Nach der liturgischen Feier in der Kapelle ging die Osternachtsfeier im Hegge-Keller weiter.

Am Ostersonntag standen ein Ostertanz im Freien, ein Osterspaziergang („Was nehme ich mit?“) und ein gemeinsamer Austausch auf dem Programm, gefolgt von Schlussgespräch und Dankesworten.
Musikalische und liturgische Gestaltung

Die musikalische Begleitung (Orgel, Cello, Querflöte, Gitarre) war durchweg exzellent und trug wesentlich zur Atmosphäre bei.

Unsere Gruppe verließ das Seminar zufrieden und dankbar: gute Verpflegung, starke inhaltliche Impulse, handfeste Praxisangebote und eine warmherzige, kompetente Leitung durch Frau Dorothee, Pastor Auffenberg, Damian Lazarek, Kerstin Mettgen, Friederike Plümpe, Marianne Stommel und ihr ganzes musikalisches Team. Gemeinschaft, Austausch und kreative Rituale machten diese besonderen Tage zu einem nachhaltigen Erlebnis.

OE

 

Das Seminar in Kooperation mit der Senioren-Union im Kreis Höxter fand zum siebten Mal statt. Es nahmen 23 Personen teil, davon drei zum ersten Mal.

Den Eingangsvortrag hielt Hauptmann Robin Lintemeier, der Jugendoffizier der Bundeswehr in Augustdorf ist.  Er sprach zu aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen. Dabei ging es u.a. um die Ausstattung der Bundeswehr, die weltpolitische Lage und die Konsequenzen für die europäische Politik,
den neuen Wehrdienst und das Thema Heimatschutz.

Am Nachmittag referierte zunächst Dagmar Feldmann zur Situation von Kleinbauern in Madagaskar. Sie ist Vorsitzende des Vereins Santatra – Partnerschaft mit den Menschen in Madagaskar e.V. und besucht die Partnerorganisation alle zwei Jahre.
Dort werden Kleinbauern ermutigt und unterstützt, Agroforstparzellen anzulegen und so mehr Nahrungsmittel aber auch Verkaufsprodukte zu erzeugen, und die Umwelt zu schonen.

Am späteren Nachmittag kam Dechant Andreas Kurte aus Brakel. Er erläuterte die angestrebte Transformation der Pastoral im Erzbistum Paderborn. Dabei ging er auf Gründe, Perspektiven und konkrete Planungen ein. Der Kreis bzw. das Dekanat Höxter sollen eine Seelsorgeeinheit mit maximal drei Pfarreien werden. Änderungen sollten jetzt vorgenommen werden, wo noch „viele“ Gläubige da sind. Es ist absehbar, dass die Zahl der (aktiven) Christinnen und Christen sowie der Hauptamtlichen in der Kirche stark schrumpfen wird. In der Diskussion kamen u.a. folgende Fragen auf: Wie kann Nähe zum Alltag der Menschen gelingen? Was passiert mit den vielen großen und kleinen Kirchen im Kreis Höxter? Wie kann eine ermöglichende Struktur aussehen?

Am Mittwoch sprach Christian Haase MdB, haushaltspolitischer Sprecher und Vorsitzender der KPV zu aktuellen bundespolitischen Themen. Dabei zog er eine erste Bilanz nach rund 9 Monaten Regierungsarbeit und blickte auf zukünftige Aufgaben angesichts einer neuen Ära der Großmächte und großer innenpolitischer Herausforderungen. In der anschließenden Diskussion mit dem Referenten ging es u.a. um die Themen: notwendige Reformen des Sozialversicherungssystems, Entlastung von Wirtschaft und Verbrauchern, Verteidigungspolitik, Ehrenamt, Situation der Kommunen und Energieversorgung.

Das Votum der Teilnehmenden war eindeutig: Fortsetzung im nächsten Jahr!

 

 

Vom 6. bis 8. Februar tauchten unsere Gäste in die Welt der orthodoxen Kirchen im Osten und Südosten Europas ein. Unter den Stichworten Tradition und Transformation wurden aktuelle Entwicklungen der Orthodoxie in unserer Nachbarschaft dargelegt, erklärt und diskutiert.

Einen Teil der sehr gesprächsfreudigen Gruppe der Teilnehmenden zählten bildeten Mitglieder eines Kasselaner Familienkreises, der alle zwei Jahre die HEGGE als Begegnungsort aufsucht. Als externe Dozenten/Dozentinnen wurden erfahrene und namhafte Personen aus den Bereichen Wissenschaft und Ökumene eingeladen.

Dr. Johannes Oeldermann eröffnete die Tagung mit einer Einführung in die Vielfalt der Kirchen des christlichen Ostens als eine fremde und zugleich faszinierende Welt. Diese Welt kann sehr unterschiedlich wahrgenommen und eingeteilt werden – z.B. auf drei Kulturräume, vier Konfessionen oder auch fünf Ritusfamilien. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Einteilungen sind durch komplexe geschichtliche Entwicklungen begründet und machen einem Außenstehenden die Dynamiken und Verflechtungen innerhalb der Orthodoxie nur schwer nachvollziehbar. Neben einer kognitiven Auseinandersetzung mit der Vielfalt der Kirchen ist daher eine persönliche Begegnung mit orthodoxen Christinnen und Christen von entscheidender Bedeutung, betonte der Referent zum Abschluss seiner Ausführungen. Gelegenheiten dazu gebe es in Fülle und Hülle, denn die orthodoxen Gemeinschaften in Deutschland wachsen aus den vorhandenen Infrastrukturen heraus und erhalten hier und da ein Gastrecht in evangelischen wie katholischen Gemeinden.

Am ersten Abend wurde die Welt der Orthodoxie etwas anschaulicher. Der Tagungsleiter Damian Lazarek berichtete der Gruppe von den Ergebnissen eines Experiments, einige Ikonen der HEGGE-Gemeinschaft mithilfe textgenerierender künstlicher Intelligenz begreifen und beschreiben zu lassen. An vier im Vortragsraum ausgestellten Ikonen zeigte er auf, wie gut die Algorithmen der KI die Ikonentradition zur Sprache bringen können. Sein Fazit lautete: Die KI kann als ein sehr wertvolles Werkzeug zum Verständnis der Machart, Inhalte, Symbolik und Bedeutung der Ikonen angewandt werden. Sie greift aber auch gern auf vertraute Muster zurück, so dass ihre sehr fachlich klingenden Formulierungen immer mit etwas Skepsis gelesen und nicht ohne fachliche Überprüfungen weitergegeben werden sollten. Eine Ikonen-Erforschung mit der KI ist dennoch faszinierend. „Ikonen sind keine Fenster zur Vergangenheit, sondern Tore zur Gegenwart des Heiligen.“ Dieser KI-generierten Behauptung kann man nur zustimmen, hielt der Referent fest.

Der Samstag begann mit handfester Textarbeit. Unter der Leitung von Prof. Jennifer Wasmuth aus Göttingen wurden in drei Gruppen zwei Texte gelesen und diskutiert: Ein Text zur Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche und ein gemeinsamer Text orthodoxer Kirchen zum ihrem Sozialethos. Beide Konzepte wurden im Hinblick auf den von Russland geführten Krieg in der Ukraine erörtert. Stückweise waren die Teilnehmenden verstört über die Aufnahme und Ausführung des Gedankens von einem „gerechten Krieg“ in der Russischen Orthodoxie und fragten sich, wie man angesichts dieser Haltung noch Dialog führen kann. Die in der Ökumene erfahrene Referentin erzählte von kleinen Gesprächsformaten, an denen festgehalten wird, da sie viel Potential für künftige Entwicklungen haben. Insgesamt gebe es aber gegenwärtig eine Tendenz zur Spaltung und Vereindeutigung (= Verlust der Mehrdeutigkeit) in der Welt der Orthodoxie.

„Die Russische Orthodoxe Kirche spielt gegenwärtig eine Rolle in Politik und Gesellschaft, die wir nicht mehr für möglich gehalten hatten“. Mit diesem Satz begann die sehr aufschlussreiche Analyse von Prof. Regina Elsner zu aktuellen Entwicklungen innerhalb der größten orthodoxen Glaubensgemeinschaft am Nachmittag. Die Referentin machte deutlich, wie wichtig das Verständnis der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in den 90er Jahren für diese Entwicklungen ist. Die Religion ist nach dem Wegfall vieler sinnstiftender Narrative aus der Sowjetzeit zu einer Ersatzideologie geworden und die imperiale Identität wurde zum Garanten für den Schutz des Glaubens. Die Referentin konnte aber auch von oppositionellen Gruppen und Äußerungen im kirchlichen Kontext zu berichten. Im weiteren Verlauf des Nachmittags erörterte Prof. Elsner anhand von vier Beispielen (Belarus, Estland, Lettland, Ukraine) wie unterschiedlich die teilweise unabhängigen orthodoxen Kirchen das Verhältnis zum eigenen Staat und die Zugehörigkeit zum Moskauer Patriarchat in der Praxis gestalten. Am Abend wurden anhand von zwei Texten das Spannungsverhältnis innerhalb der Orthodoxie und das nahezu verzweifelte Bemühen um eine gemeinsame Sprache der orthodoxen Kirchen angesichts des Kriegsgeschehens in der Ukraine unter der Leitung von Prof. Elsner in der Gruppe diskutiert.

Am Sonntag stand ein etwas erfreulicheres Thema auf dem Programm – der ökumenische Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen. Dr. Oeldemann zeichnete die geschichtliche Entwicklung der Beziehung zwischen den Kirchen im Osten und im Westen in vier Phasen auf: Kirchengemeinschaft (1.-5. Jh.), Entfremdung (5.-13. Jh.), Konfrontation (13.-19. Jh.) und Wiederannäherung (20.-21. Jh.). Mehrere einzelne Vereinbarungen und Erklärungen wurden vorgestellt, darunter die Wiener Christologische Formel, welche die Überwindung vieler strittiger Punkte und das Beilegen historischer Verwerfungen markieren. Entscheidend ist dabei der Wille, aufeinander zuzugehen und ein Verständnis für die Position des anderen zu entwickeln, auch wenn am Ende eine „logische Widersprüchlichkeit“ in der gemeinsamen Erklärung stehen bleibt. Neue, sehr aktuelle Impulse aus Rom wie das Studiendokument zur Rolle des Bischofs von Rom in der Ökumene machen Hoffnung auf noch mehr Gemeinsamkeit in der kirchlichen Praxis in der Zukunft.

In der Abschlussrunde dominierte das Stichwort „Vielfalt“ – Vielfalt der Kirchen, Vielfalt der Entwicklungen, Vielfalt der Positionen und nicht zuletzt eine thematische Vielfalt während der Veranstaltung. Auch die Dankbarkeit für die Einführung in die fremde und doch so bedeutungsvolle Welt der Ikonen wurde mehrfach zum Ausdruck gebracht. Als eine Folgeveranstaltung wurde ein Seminar zur Instrumentalisierung der Religion durch die Politik vorgeschlagen.