Testbild im Text

 

Naturerfahrungen sind für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit wichtig. Doch wo kommen wir heute noch mit Natur in Berührung? Im Seminar wollen wir Natur bewusst selber erleben und dann überlegen, wie sich Naturerlebnisse auch für Kinder (und Eltern) im Alltag umsetzen lassen.

Mit unserem Seminar möchten wir Sie stärken, um im Berufs- wie im privaten Alltag immer besser zu wissen: Wo will ich hin?Und wie komme ich an mein Ziel?

Es waren 20 Teilnehmende, davon 19 zum ersten Mal auf der HEGGE. Nach einer Vorstellungsrunde anhand von Naturmaterialien wurde zunächst an vier Stellwänden geschrieben und diskutiert. Die vier Themen waren „Naturerleben mit Kindern im Elementarbereich A) Wann und wo? B) Wie? C) Warum? D) Warum nicht?“. Danach gab SL in einer PPP Informationen über die Wichtigkeit von Naturerlebnissen für Kinder, aber auch für Erwachsene. Im Anschluss fand eine Rallye durch Haus und Park statt.

Nach einer kleinen Mittagspause kam die Natur- und Streuobstwiesenpädagogin Annette Cabron aus Nieheim zu Besuch und stellte bei strahlendem Sonnenschein viele verschiedene Spiele vor, die man mit Kindern mit naturbasierten Materialien unternehmen kann. Dabei wurden Gegenstände gesucht, Nester gebaut, Blütennektar gesammelt und Vogelstimmen bestimmt. Nach der Ergebnissicherungen waren die Teilnehmenden entsprechend erschöpft. Das hielt sie aber nicht davon ab, im HEGGE-Keller den Abend ausklingen zu lassen.

Der zweite Tag begann mit einem Morgenimpuls, der anders, als den vergangenen Jahren mit einem Impuls durch DF in Form eines schweigenden Spaziergangs durch den Park umgesetzt wurde. Im Zentrum der spirituellen Einheit stand die Frage: „Was ist meine Aufgabe?“

Am Vormittag stand das Naturerleben mit digitalen Medien im Mittelpunkt. Dabei wurden die Teilnehmenden in fünf Gruppen eingeteilt und sind selbst kreativ geworden. Anschließend wurden die Ergebnisse präsentiert und herausgefiltert, was man mit dem Klientel umsetzen und wie damit gearbeitet werden kann. Am Nachmittag wurde in drei verschiedenen Gruppen bei sonnigem Frühlingswetter Kreatives aus Naturmaterialien entwickelt: Eine Hütte aus Ästen im Wald, ein Naturmandala und ein Wichteldorf. Anschließend wurde ausprobiert bzw. angeschaut und die Übertragbarkeit auf die Arbeit mit Kindern diskutiert. Der Tag endete mit einem gemeinsamen Lagerfeuer.

Am dritten Tag stand die Umsetzung im Alltag im Vordergrund. U.a. haben sich die TN in Zweiergruppen zum einen darüber ausgetauscht, wie Hindernisse überwunden und Chancen genutzt werden können, um Kindern im Alltag Naturerlebnisse zu ermöglichen. Zum anderen war die Aufgabe, aus den Erfahrungen im Seminar heraus, sich eine Sache zu überlegen, die jede/r noch in diesem Jahr in die Praxis umsetzen will. Der gemeinsame Abschlussgottesdienst fand draußen im Park statt. Am Nachmittag wurden die Ergebnisse visualisiert und das gesamte Seminar reflektiert. Die Erwartungen der Seminarteilnehmer*innen wurden erfüllt.

Das Seminar für Naturinteressierte begann mit einem kleinen Quiz zu Mooren. In Kleingruppen fanden die Teilnehmenden z.B. heraus, was eine Moorjungfer ist und was es mit Paludikultur auf sich hat.

Am ersten Abend sprach Prof. Dr. Klaus-Holger Knorr von der Universität Münster. Er ist Moorexperte und weltweit in natürlichen, naturnahen und gestörten Mooren unterwegs. Er beschäftigt sich mit Moorschutz und Moornutzung in Deutschland, Kanada, Patagonien, China, Schweden und weiteren Ländern. So konnte er Bilder von Mooren in ihrer Vielfältigkeit aus der ganzen Welt zeigen, die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz, aber auch ihre Gefährdung erläutern. Dies geschah auf eine gut verständliche, vor allem aber begeisternde Art und Weise und ging beinahe nahtlos in eine intensive und belebte Diskussion über. Das mitgebrachte Torfmoos sowie Torfsoden und die Erklärungen daran machten Moorkunde anfassbar und im besten Sinne be-greifbar. Fazit der Teilnehmenden: Wie gerne hätten wir bei so einem engagierten, begeisternden Professor studiert!

Am Samstag führte Diplom-Biologe Christian Finke von der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne e.V. in einem Power-Point-Vortrag in die Flora und Fauna heimischer Moore ein. Erläutert wurde anhand praktischer Beispiele die Grundlage der erfolgreichen Wiedervernässung von Mooren. Dabei zeigte er viele Bilder aus dem Exkursionsziel Schwarzes Bruch, einem renaturierten Moor im Eggegebirge, in dem sich seltene Tier- und Pflanzenarten wieder angesiedelt haben.
Am Nachmittag schlüpften die Teilnehmenden in die Rolle verschiedener Akteure und Akteurinnen bei einem Planspiel zur geplanten Wiedervernässung eines Moores in dem fiktiven Städtchen Möhrstedt. Sie repräsentierten z.B. die Anwohnenden, landwirtschaftliche Betriebe, Gemeindevertretung, Institut für Moorforschung etc. Dabei wurde deutlich, dass es gar nicht so einfach ist, tragfähige Kompromisse zu erzielen.

Der Film „Die Magie der Moore“ entführte die Seminargruppe in die Moore Nordeuropas. Die Filmsequenzen wurden über fünf Jahre mit verschiedenen Filmtechniken erstellt und zeigen, dass man die Bedeutung von Mooren nicht nur an Zahlen messen kann, sondern das Moore einfach eine erhaltenswerte „Zauberlandschaft“ sind.
Den Abschluss des Seminars bildete eine Exkursion unter der fachkundigen Leitung von Christian Finke ins Schwarze Bruch bei Lichtenau. Trotz starken Regens am frühen Morgen brauchte niemand den Regenschirm aufzumachen. Dennoch waren Gummistiefel äußerst nützlich, denn den Moorbereich hätte man sonst nicht „trockenen Fußes“ erkunden können. Neben verschiedenen Gräsern und Moosen, konnte man die faszinierende Moorlandschaft entdecken. Wiesenpieper und Feldschwirl aus der Vogelwelt und ausgedehnte Polster der Moosbeere zeigen, dass von der Wiedervernässung Arten profitieren, die andernorts schon ausgestorben sind.

 

 

Der Seminarzyklus der Kar- und Ostertage auf der Hegge war eine berührende, kraftvoll gestaltete Zeit — geprägt von spiritueller Tiefe, kreativer Praxis und echter Gemeinschaft.

Am Mittwochabend begann das Seminar mit einer Einstiegsübung, die sofort eine Atmosphäre des Zuhörens und der Präsenz schuf. Unter der Anleitung von Pastor Ulli Auffenberg fand eine Schreib-Meditation statt: Im großen Vortragsraum waren in den vier Ecken Tische mit Flipchartbögen und Stiften aufgestellt, die jeweils einem Thema gewidmet waren — Meine Anfragen/Nöte bezüglich der Welt, bezüglich mir selbst, bezüglich der Kirche und bezüglich Natur und Umwelt. Die Teilnehmenden bildeten vier Gruppen und durchliefen schweigend die Ecken, schrieben ihre Gedanken, Sorgen und Hoffnungen nieder und hinterließen so ein vielstimmiges Netz aus persönlichen Eindrücken.

Im anschließenden Plenum öffnete Pastor Auffenberg den Raum für ein intensives Gespräch. Aus den schriftlichen Notizen heraus entwickelte sich ein Dialog, der sowohl persönliche Offenheit als auch gemeinsame Fragestellungen sichtbar machte — von existenziellen Ängsten bis hin zu konkreten Handlungsideen für Kirche und Umwelt.

Der Abend endete in einem gemeinsamen Gebet und einem Segen, der den Tag abrundete.

Der Gründonnerstag begann im Freien mit dem Ulmentanz — ein lebendiger, gemeinschaftsbildender Auftakt, der Geist und Körper in Einklang brachte. Zurück im Raum griff Pastor Auffenberg die zuvor in den vier Ecken gesammelten Stichworte erneut auf und leitete ein offenes Plenumsgespräch, das Verbindungen zwischen den persönlichen Anliegen und den größeren Themen der Kar- und Ostertage herstellte.

Im zweiten Teil widmete sich die Gruppe Rainer Maria Rilkes Gedicht „Der Ölbaumgarten“. Die Textarbeit entfaltete sich zu einem sehr guten, intensiven Austausch.

Am Nachmittag standen gemeinsame Vorbereitung und Singeprobe für die Mahlfeier im Zentrum. Die Mahlfeier selbst war dann ein Fest der Gemeinschaft: Sie fand an sieben Tischen statt, musikalisch getragen von Monika Kasper, Josef Verwimp, Marianne Stommel und Damian Lazarek mit Tafelmusik und Festleuchter, Schrifttexten, Schriftgespräch, Gebet und Gesang. Das Essen war lecker, es wurde von Tischdiener*innen aufgetragen, jede Speise wurde gesegnet, die Stimmung war fröhlich und zugleich andächtig.

Im Anschluss folgte ein altes Ritual, das den erschreckenden Abbruch des Lebens durch Verrat und Tod symbolisiert: der Altar wurde entblößt, die Kapelle ausgeräumt.

Den Karfreitagvormittag leitete Damian Lazarek: Thema war Psalm 130 — seine Struktur wurde erläutert, dann arbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen daran, eigene Psalmen zu verfassen. Die Atmosphäre war konzentriert und kreativ; die Gespräche tiefgehend, die entstandenen Texte sehr gelungen und berührend.

Am Nachmittag wurden einige der neu entstandenen Psalmen in die Liturgie in der Kapelle eingebracht; andere begleiteten den gemeinsamen Kreuzweg zum Kreuz „Geduld“. Auf dem Weg gab es Stationen mit Gebeten und Liedern — eine intensive, verbindende Einheit, in der die Gruppe noch enger zusammenfand.

Am Karfreitagabend folgte in der Kapelle eine Autorinnenlesung von Marianne Stommel: eigene Texte zu Trauer und Abschied, unterbrochen und bereichert durch Flöten‑ und Cellomusik — ein eindrücklicher Abschluss für den Tag.

Am Karsamstag begann der Vormittag mit zwei parallelen Workshops: Die Teilnehmenden teilten sich auf in einen Bibliodrama‑Workshop bei Pastor Auffenberg und einen kreativen Bibel‑Workshop zur Trauer der Frauen am Grab mit Friederike Plümpe. Beide Gruppen fanden schnell Zugang zu den biblischen Texten und zum eigenen Leben.

Am Nachmittag lud Kerstin Mettgen, Kräuterexpertin aus Borgentreich, zu einem besonderen, sehr gut vorbereiteten Workshop zur Salbenherstellung ein. Hier ging es um praktisches Tun mit den Händen. Hilfreich waren ihr fachliche Erklärungen und die Auswahl biblischer Kräuter. Pastor Auffenberg hatte zuvor betont, dass die selbst hergestellten Salben in der Osternacht gesegnet und verwendet werden sollten. Die Resonanz auf diese Einheit fiel sehr positiv aus.

Die Osternacht war dann sehr feierlich; externe Gäste bereicherten die Feier. In der Predigt gab Pastor Auffenberg einer Teilnehmerin des Bibliodrama-Workshops Raum, von ihren Erfahrungen zu berichten. Nach der Kommunion segneten sich die Teilnehmenden im großen Kreis gegenseitig mit der selbst hergestellten Salbe.
Nach der liturgischen Feier in der Kapelle ging die Osternachtsfeier im Hegge-Keller weiter.

Am Ostersonntag standen ein Ostertanz im Freien, ein Osterspaziergang („Was nehme ich mit?“) und ein gemeinsamer Austausch auf dem Programm, gefolgt von Schlussgespräch und Dankesworten.
Musikalische und liturgische Gestaltung

Die musikalische Begleitung (Orgel, Cello, Querflöte, Gitarre) war durchweg exzellent und trug wesentlich zur Atmosphäre bei.

Unsere Gruppe verließ das Seminar zufrieden und dankbar: gute Verpflegung, starke inhaltliche Impulse, handfeste Praxisangebote und eine warmherzige, kompetente Leitung durch Frau Dorothee, Pastor Auffenberg, Damian Lazarek, Kerstin Mettgen, Friederike Plümpe, Marianne Stommel und ihr ganzes musikalisches Team. Gemeinschaft, Austausch und kreative Rituale machten diese besonderen Tage zu einem nachhaltigen Erlebnis.

OE

 

Das Seminar in Kooperation mit der Senioren-Union im Kreis Höxter fand zum siebten Mal statt. Es nahmen 23 Personen teil, davon drei zum ersten Mal.

Den Eingangsvortrag hielt Hauptmann Robin Lintemeier, der Jugendoffizier der Bundeswehr in Augustdorf ist.  Er sprach zu aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen. Dabei ging es u.a. um die Ausstattung der Bundeswehr, die weltpolitische Lage und die Konsequenzen für die europäische Politik,
den neuen Wehrdienst und das Thema Heimatschutz.

Am Nachmittag referierte zunächst Dagmar Feldmann zur Situation von Kleinbauern in Madagaskar. Sie ist Vorsitzende des Vereins Santatra – Partnerschaft mit den Menschen in Madagaskar e.V. und besucht die Partnerorganisation alle zwei Jahre.
Dort werden Kleinbauern ermutigt und unterstützt, Agroforstparzellen anzulegen und so mehr Nahrungsmittel aber auch Verkaufsprodukte zu erzeugen, und die Umwelt zu schonen.

Am späteren Nachmittag kam Dechant Andreas Kurte aus Brakel. Er erläuterte die angestrebte Transformation der Pastoral im Erzbistum Paderborn. Dabei ging er auf Gründe, Perspektiven und konkrete Planungen ein. Der Kreis bzw. das Dekanat Höxter sollen eine Seelsorgeeinheit mit maximal drei Pfarreien werden. Änderungen sollten jetzt vorgenommen werden, wo noch „viele“ Gläubige da sind. Es ist absehbar, dass die Zahl der (aktiven) Christinnen und Christen sowie der Hauptamtlichen in der Kirche stark schrumpfen wird. In der Diskussion kamen u.a. folgende Fragen auf: Wie kann Nähe zum Alltag der Menschen gelingen? Was passiert mit den vielen großen und kleinen Kirchen im Kreis Höxter? Wie kann eine ermöglichende Struktur aussehen?

Am Mittwoch sprach Christian Haase MdB, haushaltspolitischer Sprecher und Vorsitzender der KPV zu aktuellen bundespolitischen Themen. Dabei zog er eine erste Bilanz nach rund 9 Monaten Regierungsarbeit und blickte auf zukünftige Aufgaben angesichts einer neuen Ära der Großmächte und großer innenpolitischer Herausforderungen. In der anschließenden Diskussion mit dem Referenten ging es u.a. um die Themen: notwendige Reformen des Sozialversicherungssystems, Entlastung von Wirtschaft und Verbrauchern, Verteidigungspolitik, Ehrenamt, Situation der Kommunen und Energieversorgung.

Das Votum der Teilnehmenden war eindeutig: Fortsetzung im nächsten Jahr!

 

 

Vom 6. bis 8. Februar tauchten unsere Gäste in die Welt der orthodoxen Kirchen im Osten und Südosten Europas ein. Unter den Stichworten Tradition und Transformation wurden aktuelle Entwicklungen der Orthodoxie in unserer Nachbarschaft dargelegt, erklärt und diskutiert.

Einen Teil der sehr gesprächsfreudigen Gruppe der Teilnehmenden zählten bildeten Mitglieder eines Kasselaner Familienkreises, der alle zwei Jahre die HEGGE als Begegnungsort aufsucht. Als externe Dozenten/Dozentinnen wurden erfahrene und namhafte Personen aus den Bereichen Wissenschaft und Ökumene eingeladen.

Dr. Johannes Oeldermann eröffnete die Tagung mit einer Einführung in die Vielfalt der Kirchen des christlichen Ostens als eine fremde und zugleich faszinierende Welt. Diese Welt kann sehr unterschiedlich wahrgenommen und eingeteilt werden – z.B. auf drei Kulturräume, vier Konfessionen oder auch fünf Ritusfamilien. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Einteilungen sind durch komplexe geschichtliche Entwicklungen begründet und machen einem Außenstehenden die Dynamiken und Verflechtungen innerhalb der Orthodoxie nur schwer nachvollziehbar. Neben einer kognitiven Auseinandersetzung mit der Vielfalt der Kirchen ist daher eine persönliche Begegnung mit orthodoxen Christinnen und Christen von entscheidender Bedeutung, betonte der Referent zum Abschluss seiner Ausführungen. Gelegenheiten dazu gebe es in Fülle und Hülle, denn die orthodoxen Gemeinschaften in Deutschland wachsen aus den vorhandenen Infrastrukturen heraus und erhalten hier und da ein Gastrecht in evangelischen wie katholischen Gemeinden.

Am ersten Abend wurde die Welt der Orthodoxie etwas anschaulicher. Der Tagungsleiter Damian Lazarek berichtete der Gruppe von den Ergebnissen eines Experiments, einige Ikonen der HEGGE-Gemeinschaft mithilfe textgenerierender künstlicher Intelligenz begreifen und beschreiben zu lassen. An vier im Vortragsraum ausgestellten Ikonen zeigte er auf, wie gut die Algorithmen der KI die Ikonentradition zur Sprache bringen können. Sein Fazit lautete: Die KI kann als ein sehr wertvolles Werkzeug zum Verständnis der Machart, Inhalte, Symbolik und Bedeutung der Ikonen angewandt werden. Sie greift aber auch gern auf vertraute Muster zurück, so dass ihre sehr fachlich klingenden Formulierungen immer mit etwas Skepsis gelesen und nicht ohne fachliche Überprüfungen weitergegeben werden sollten. Eine Ikonen-Erforschung mit der KI ist dennoch faszinierend. „Ikonen sind keine Fenster zur Vergangenheit, sondern Tore zur Gegenwart des Heiligen.“ Dieser KI-generierten Behauptung kann man nur zustimmen, hielt der Referent fest.

Der Samstag begann mit handfester Textarbeit. Unter der Leitung von Prof. Jennifer Wasmuth aus Göttingen wurden in drei Gruppen zwei Texte gelesen und diskutiert: Ein Text zur Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche und ein gemeinsamer Text orthodoxer Kirchen zum ihrem Sozialethos. Beide Konzepte wurden im Hinblick auf den von Russland geführten Krieg in der Ukraine erörtert. Stückweise waren die Teilnehmenden verstört über die Aufnahme und Ausführung des Gedankens von einem „gerechten Krieg“ in der Russischen Orthodoxie und fragten sich, wie man angesichts dieser Haltung noch Dialog führen kann. Die in der Ökumene erfahrene Referentin erzählte von kleinen Gesprächsformaten, an denen festgehalten wird, da sie viel Potential für künftige Entwicklungen haben. Insgesamt gebe es aber gegenwärtig eine Tendenz zur Spaltung und Vereindeutigung (= Verlust der Mehrdeutigkeit) in der Welt der Orthodoxie.

„Die Russische Orthodoxe Kirche spielt gegenwärtig eine Rolle in Politik und Gesellschaft, die wir nicht mehr für möglich gehalten hatten“. Mit diesem Satz begann die sehr aufschlussreiche Analyse von Prof. Regina Elsner zu aktuellen Entwicklungen innerhalb der größten orthodoxen Glaubensgemeinschaft am Nachmittag. Die Referentin machte deutlich, wie wichtig das Verständnis der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in den 90er Jahren für diese Entwicklungen ist. Die Religion ist nach dem Wegfall vieler sinnstiftender Narrative aus der Sowjetzeit zu einer Ersatzideologie geworden und die imperiale Identität wurde zum Garanten für den Schutz des Glaubens. Die Referentin konnte aber auch von oppositionellen Gruppen und Äußerungen im kirchlichen Kontext zu berichten. Im weiteren Verlauf des Nachmittags erörterte Prof. Elsner anhand von vier Beispielen (Belarus, Estland, Lettland, Ukraine) wie unterschiedlich die teilweise unabhängigen orthodoxen Kirchen das Verhältnis zum eigenen Staat und die Zugehörigkeit zum Moskauer Patriarchat in der Praxis gestalten. Am Abend wurden anhand von zwei Texten das Spannungsverhältnis innerhalb der Orthodoxie und das nahezu verzweifelte Bemühen um eine gemeinsame Sprache der orthodoxen Kirchen angesichts des Kriegsgeschehens in der Ukraine unter der Leitung von Prof. Elsner in der Gruppe diskutiert.

Am Sonntag stand ein etwas erfreulicheres Thema auf dem Programm – der ökumenische Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen. Dr. Oeldemann zeichnete die geschichtliche Entwicklung der Beziehung zwischen den Kirchen im Osten und im Westen in vier Phasen auf: Kirchengemeinschaft (1.-5. Jh.), Entfremdung (5.-13. Jh.), Konfrontation (13.-19. Jh.) und Wiederannäherung (20.-21. Jh.). Mehrere einzelne Vereinbarungen und Erklärungen wurden vorgestellt, darunter die Wiener Christologische Formel, welche die Überwindung vieler strittiger Punkte und das Beilegen historischer Verwerfungen markieren. Entscheidend ist dabei der Wille, aufeinander zuzugehen und ein Verständnis für die Position des anderen zu entwickeln, auch wenn am Ende eine „logische Widersprüchlichkeit“ in der gemeinsamen Erklärung stehen bleibt. Neue, sehr aktuelle Impulse aus Rom wie das Studiendokument zur Rolle des Bischofs von Rom in der Ökumene machen Hoffnung auf noch mehr Gemeinsamkeit in der kirchlichen Praxis in der Zukunft.

In der Abschlussrunde dominierte das Stichwort „Vielfalt“ – Vielfalt der Kirchen, Vielfalt der Entwicklungen, Vielfalt der Positionen und nicht zuletzt eine thematische Vielfalt während der Veranstaltung. Auch die Dankbarkeit für die Einführung in die fremde und doch so bedeutungsvolle Welt der Ikonen wurde mehrfach zum Ausdruck gebracht. Als eine Folgeveranstaltung wurde ein Seminar zur Instrumentalisierung der Religion durch die Politik vorgeschlagen.

 

Vom 5. bis 7. September stand ein Märchenseminar im Programm zum Thema

 
» Alte und Junge im Märchen – Was trennt und was verbindet sie? «
 

Das Seminar wurde in Zusammenarbeit mit der Europäischen Märchengesellschaft durchgeführt. Zahlreiche Märchenfreundinnen und -freunde folgten der Einladung, zumeist aus persönlichem oder auch aus beruflichem Interesse. An den Tagen standen fundierte Märchenkunde sowie lebendiges Erzählen im Mittelpunkt. Die Teilnehmer*innen entdeckten Volksmärchen verschiedener Länder sowie Grimms Märchen und deren Faszination. Ein Erzählabend rundete das Wochenende ab.

Die Referentin Ute Ahlert aus Teltow nahm die Kunst des Erzählens und das Verstehen der Bildsprache in den Blick. Sie ist Mitglied der Europäischen Märchengesellschaft, Märchenerzählerin, Gymnasiallehrerin i.R. und Germanistin. In diesem Märchenseminar kam zum Thema »Alte und Junge im Märchen« das Miteinander und Gegeneinander von Jung und Alt in den Blick. Die Begegnung der Generationen, mit all ihren Facetten von Mitgefühl und Unterstützung auch hin zu Ablehnung und Bosheit, wurde thematisiert.

Bei der Vorliebe des Märchens für Kontraste sind seine Figuren entweder alt oder jung. Die Hauptpersonen können Helfer oder Gegenspieler sein. Oft liegt der Fokus auf ihrer gegenseitigen Verbindung und Verantwortlichkeit. Dabei stoßen ihre Interessen manches Mal aufeinander und es gilt ihre Konflikte zu lösen.

So wurden an den Tagen Märchen erzählt und ergründet, in denen Generationskonflikten und deren Lösungen zentrale Bedeutung zukommt. Ebenso stellte sich heraus, dass die Märchenwelt zu diesem Thema vielfach eine positive Perspektive entwickelt und die Texte zeigen, wie Generationen voneinander lernen, wie segensreiche Alt und Jung füreinander wirken können.

Märchen erzählen in zeitloser Form vom menschlichen Leben. Das Seminar lud ein Märchenerzählungen zu hören, darüber nachzudenken und ins Gespräch zu kommen. Mit einem vertieften Wissen ebenso wie mit viel Freude machten sich die Teilnehmer*innen auf den Heimweg.

Im kommenden Jahr 2026 findet ein Märchenseminar statt vom 13. bis 15. März unter dem Thema »Geheimnisvolle Begegnungsorte im Märchen«. Herzliche Einladung!

https://die-hegge.de/geheimnisvolle-begegnungsorte-im-maerchen/

Die große Resonanz auf das erste „Gesundheitskulturseminar“ der HEGGE vom 20.-22. Februar 2026 unter dem Thema „Schlaf – Heil – Kunst“ hat uns überrascht. Das Teilnehmerinteresse überwog die verfügbaren Plätze, so dass wir eine Warteliste führen mussten.
Jetzt, nach Seminarende, müssen wir feststellen: Das Seminar war so gut, so besonders, so hilfreich, vielgestaltig, dass es um jede/n schade war, der/die nicht dabei sein konnte.

Das Seminar wurde eröffnet von Dorothee Mann, die gleich zu Anfang darauf hinwies, dass die Idee und Seminarkonzeption der Schlafärztin Dr. Charlotte Kleen (Aurich) zu verdanken sei. Auf ihre Frage, wer das erste Mal auf der Hegge sei, streckten sich ihr 17 Arme entgegen.
Dr. Charlotte Kleen übernahm alsbald die Gesprächsführung. Nach einer Vertraulichkeitsvereinbarung mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern lud sie dazu ein, sich von den Stühlen zu erheben. Ein Ball wurde in die Vorstellungsrunde gebracht: Wem der Ball zugespielt wurde, stellte sich der Gruppe vor und erläuterte seine Motivation zur Teilnahme an diesem Seminar. Schnell wuchsen untereinander Offenheit, Heiterkeit und Vertrauen.

An diese ausführliche Vorstellungsrunde schloss sich der Vortrag des renommierten Schlafmediziners Prof. Dr. Christoph Schöbel an. Ihm gelang es in großer Leichtigkeit, mit wissenschaftlicher Fundierung und viel Humor, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von dem unterschwellig vorhandenen „Leistungsdruck“ zu befreien: doch endlich schlafen können zu MÜSSEN. „Sie können alle schlafen, sonst würden Sie hier nicht mehr sitzen. Ihr Körper holt sich den Schlaf, den er dringend braucht; auch wenn Sie es nicht immer wahrnehmen.“ Schöbel räumte mit diversen Verboten und Fehlinformationen auf, die im Netz als Feinde des Schlafes kursieren. Dagegen machte er deutlich: Es ist gleichgültig, wie man seinen Abend gestaltet. Wichtig ist die Entspannung, das Loslassen, Befreiung von dem Druck, unbedingt schlafen zu müssen.

Der Samstag begann mit einer Einladung von Frau Dr. Kleen zu einer Lichttherapie, der etliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten und die sowohl Entspannung brachte als auch Raum zu Begegnung und Gespräch.
Nach Morgengebet und Frühstück gehörte der Vormittag dem bekannten Wissenschaftlerehepaar Zgoll von der Universität Göttingen. Die Altorientalistin Prof. Dr. Annette Zgoll überraschte das Plenum mit der Konstatierung, dass die Menschen im Alten Orient, in Mesopotamien im 18. Jahrhundert vor Christus, mit dem Schlaf nicht in erster Linie das Ziel verfolgten, abschalten zu wollen. Vielmehr legten sie sich abends nieder, um im Schlaf Botschaften der Götter und bestenfalls Einblicke in die Zukunft zu erhalten. Begegnungen mit den Gottheiten sind in dieser Wirklichkeitsvorstellung vorzugsweise im Schlaf, insbesondere durch die Träume möglich. Entsprechende Rituale bilden eine Brücke, damit diese Begegnung und Offenbarung gelingt.
Der Klassische Philologe Prof. Dr. Christian Zgoll ordnete den Schlaf im antiken Griechenland als „leiblicher Bruder des Todes“ ein: Hypnos und Thanatos sind nach antiker Vorstellung verwandt, beide sind „Kinder der Nacht“. Der Schlaf ist ein halber Tod, ein Tod auf Zeit. U.a. wurde auch Aristoteles zitiert, der bereits im 4. Jh.v.Chr. erstaunlich genaue (und bis heute gültige) Beobachtungen zur Bedeutung des Schlafes zusammengetragen hat.

Der Samstag Vormittag endete leichtfüßig und lebenspraktisch mit drei Impulsen von Frau Dr. Kleen zur Pausengestaltung: 1. INEMURI – ein japanischer Begriff, der dazu einlädt, seine Pause auch in der Öffentlichkeit zu nehmen, sich nicht zu verstecken. 2. Hinweis auf die SLEEP-App von Max Richter. 3. Einladung, den WORT-WEG der HEGGE in der Mittagszeit zu gehen, an den Stationen zu verweilen und so die Natur und die gute Luft zu genießen.

Nach leckerem Mittagessen und der je selbst gestalteten Mittagspause stellte Dr. Charlotte Kleen am Samstag Nachmittag DIGITALE GESUNDHEITSANWENDUNGEN dar. Das Neue und Besondere: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA‘s) wurden mit dem Digitalen-Versorgungs-Gesetz (DVG) bereits 2019/2020 in der gesetzlichen Krankenversicherung verankert, hat aber bislang kaum Resonanz erfahren.
Digitale Gesundheitsanwendungen, in der Regel sind das kosten- und verschreibungspflichtige, Apps, gibt es mittlerweile zur Behandlung sehr vieler Krankheiten, u.a. auch für den Bereich der Schlafmedizin. Dr. Kleen stellte daraus insbesondere zwei DiGA’s vor, nämlich SOMNIO (Mementor DE GmbH) als ein digitales Schlaftraining innerhalb der kognitiven Verhaltenstherapie zur Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen, sowie SOMNOVIA (GAIA AG), das ebenfalls ein interaktives KVT-Programm für Insomnie bietet.
Viele Gespräche mit der erfahrenen Schlafmedizinerin schlossen sich an.

Am Abend wurde die Gruppe zum ersten Schlafkonzert auf der HEGGE eingeladen: Julia und Julian Buch hatten den großen Vortragsraum in einen gemütlichen Schlafsaal verwandelt. Julia Buch, Künstlerin, Sängerin, Komponistin, Erfinderin und Gründerin der Schlafkonzerte, beschenkte die Gruppe mit wunderbarer Musik, eigenen Liedern, die der Herzrhythmik entsprechen und zauberte etliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einen wohltuenden Schlaf. Ein unvergessliches Erlebnis!

Der Sonntag wurde mit einem gemeinschaftstiftenden Gottesdienst in der Kapelle begrüßt. Nach dem Frühstück trug Julia Buch in einer Mischung aus Vortrag, Liedern, Liederläuterungen und interaktiven Elementen zentrale Gedanken zum Thema Schlaf – Akku aufladen auf künstlerische Weise vor: Eine gestresste Gesellschaft reagiert überreizt. Stress übersäuert uns und unsere Gesellschaft. Was sind unsere Stressoren? Überreizung sucht Ventile! Ihr Tipp: Dagegen etwas mit den Händen tun! Zwischen Reiz und Reaktion befindet sich der Garten der Emotionen und der Sinne. Wie groß ist der Garten? Der Garten ist der Raum für Reifung und Resilienz. In der Mitte des Gartens ist der Quellkern, aus dem etwas fließt. 1 Kor 12: Das Lied von der Liebe. Unsere Sinne spüren, ob etwas Leben gibt oder nimmt. Bist du gefüllt mit Liebe? Bist du gefüllt mit Liebe? Liebe gibt Sinn. Sinn-voll dasein!
Julia Buch entpuppte sich als kreative und tiefgründige Botschafterin der Sinne, des Sinns und des guten Lebens.

Mit einer letzten Gesprächsrunde mit der Schlafärztin Dr. Charlotte Kleen sowie einem Schlussgespräch ging dieses besondere Seminar zuende.
Ein besonderer Dank für das große Engagement aller Referentinnen und Referenten, der Moderatorin sowie Dank für das Vertrauen und das Sich-Einlassen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dieses Gesundheitskulturseminar.

 

Unter diesem Motto verbrachten fünfzehn Teilnehmende die ersten Tage des Jahres miteinander auf der HEGGE.
Dabei führte die Referentin Barbara Schieche in die Tagzeitenliturgie der Klöster (Stichwort Stundengebet) und gab weitere Erläuterungen
zu biblischen Texten.
Am 6. Januar standen die Weisen aus dem Morgenland auf dem Programm und die Königinfigur des Diakons Ralf Knoblauch.
Das schöne Schneewetter konnten die Teilnehmenden bei einem Spaziergang im Park und in die Feldflur rund um die HEGGE genießen.
Neben Gesprächsrunden (u.a. zu den sieben leiblichen und den sieben geistlichen Werken der Barmherzigkeit) wurde auch kreativ gearbeitet:
Dabei entstanden Baumscheiben und Schachteln mit Segenwünschen.
Besonders hervorgehoben wurde das gute Miteinander und die Atmosphäre auf der HEGGE.
Ein gemeinsam gestalteter Gottesdienst bildete den Abschluss dieses neuen Seminarangebotes.

 

Nach einer längeren Kennenlern- und Austauschrunde stand am Abend das Thema „Lassen wir uns berühren“ im Mittelpunkt. Zunächst wurden Stichwörter zusammengetragen, die sowohl positive als auch negative Erfahrungen verdeutlichten. Die Coronazeit hat hier deutlich zu Veränderungen geführt.

Am zweiten Tag führte Judith Kohlstruck vom Uniklinikum Essen in das Thema „Interkulturalität im Umgang mit dem Thema Sterben und Tod“ ein. Von den vier Koordinatorinnen des Klinikums ist eine Muslima. Es gibt Ehrenamtliche aus verschiedenen Kulturen, die insgesamt 11 Sprachen vertreten. Mit einem Kulturbingo stellten die Teilnehmenden fest, dass sie viele weiße Flecken im Bereich Interkulturalität haben. Dabei nimmt die Zahl an Menschen mit Zuwanderungsgeschichte deutlich zu. In Fallbeispielen wurden Situationen aus der Sterbebegleitung diskutiert und nach sinnvollen Lösungen gesucht. Der Film „Trauer in der Fremde“ zeigte eindrücklich, wie schwer es ist, wenn man in einer anderen Kultur Trauer zu bewältigen hat. Maria Stijohann stellte am Abend die Feldenkrais-Methode mit praktischen Übungen vor.

Am dritten Tag erläuterte sie, was es mit Marte Meo von Maria Aarts auf sich hat. Übersetzt heißt Marte Meo „aus eigener Kraft“. Ursprünglich wurde Marte Meo für Eltern entwickelt, ist aber inzwischen auch im Bereich Pflege und Hospizbegleitung angekommen. Dabei werden Alltagssituationen gefilmt und dahingehende untersucht, worauf ein gelingendes Miteinander basiert. Wichtig sind ein Lächeln und die bewusste Wahrnehmung von schönen Momenten. Mit Filmsequenzen aus dem Pflegebereich wurde deutlich, was schon kleine Veränderungen bewirken können.

Pfarrerin Kathrin Jahns, ehemalige Klinikseelsorgerin sprach zum Thema Spirtual Care. Denn es bedarf nicht nur der Pflege des Körpers sondern auch der Seele. Sie ermunterte die Teilnehmenden neugierig im positiven Sinne des Wortes zu sein, die Sterbenden viel zu fragen und auf Hinweise zu achten, wenn es um Sinnfragen geht. Gerade am Ende des Lebens stellen sich Menschen die Frage, wie sie ihr Leben gelebt haben und warum bestimmte Dinge passiert sind.

Fazit der Teilnehmenden: Wir haben viel gelernt, sowohl durch die Referentinnen als auch in den Gesprächen untereinander. Wir gehen gestärkt zurück in unsere ehrenamtliche Arbeit.

 

Mit dem 20. Ökumenischen Fortbildungsseminar für Kirchenführer*innen konnte DIE HEGGE auch im Frühjahr 2026 die gute Tradition dieser Reihe fortsetzen, die auch für das ökumenische Gespräch so wertvoll und fruchtbar ist.

Die 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten sich zusammen aus Stadt-, Kirchen- und Klosterführer*innen. Darüber hinaus waren fünf evangelische Klöster bzw. Stifte personell vertreten: Kloster Walsrode, Kloster Mariensee, Stift Fischbeck, Kloster Loccum sowie Kloster Isenhagen. Isenhagen war vertreten durch seine Äbtissin.

Unser Ökumenisches Fortbildungsseminar richtet sich an Personen, die fachkundig durch Kirchen und Klöster führen und so die sakralen Räume einer breiten Öffentlichkeit vermitteln. Ziel ist es, die Rolle dieser Räume als Orte kultureller Identität und spiritueller Orientierung zu reflektieren, theologische, kunst- und liturgiegeschichtliche, ikonografische und historische Kompetenzen zu stärken und neue Sakralräume kennenzulernen. Die Veranstaltung verband fachliche Vorträge, Diskussionen und eine Tagesexkursion mit kollegialem Austausch und gemeinsamer spiritueller Verwurzelung in gemeinsamen Gottesdiensten, Gebet und Gesang, verstanden als eine „Gemeinde auf Zeit“.

Den inhaltlichen Auftakt gab der evangelische Theologe und Historiker Dr. Arnd Friedrich, Greetsiel, mit einem Seminartag über die Geschichte der Klöster im Protestantismus nach Einführung der Reformation. Hier erhielten die Teilnehmenden einen Überblick über die Folgen der Reformation für die Klostergemeinschaften, die weitere Entwicklung bis zur Säkularisation, über Veränderungen und Fortbestand einzelner Gemeinschaften bis hin zum Wandel klösterlicher Funktionen. An einzelnen Beispielen wurde gezeigt, wie Klosterbauten als Pfarrsitz, Schule oder Armenhaus neu genutzt wurden.

Den zweiten Seminartag gestaltete der katholische Theologe und Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Stefan Böntert aus Bochum. Unter dem Titel „In Vielfalt und Einheit“ skizzierte er Ordensgemeinschaften als Orte liturgischer Praxis: Dabei wurde herausgearbeitet, welch erstaunliche Vielfalt liturgischer Praxis (z.B. im Stundengebet) in der mannigfaltigen Klosterkultur durch die Jahrhunderte – allen Versuchen zur Vereinheitlichung zum Trotz – entstanden ist und bis heute gepflegt wird. In einem weiteren Schritt wurde aufgezeigt, welche Herausforderungen entstehen, wenn Ordensgemeinschaften sich neu orientieren müssen. Reform- und Erneuerungswillen, ein neues Kirchenbild und veränderte Gemeinschaftsstrukturen prägen Liturgie und modernen, der Gegenwart angepassten Kirchenbau. An Beispielen gelungener Um- und Wiederbelebungen wurde gezeigt, welche Chancen Umnutzungen und zeitgenössische Eingriffe bieten (können).

Ein weiterer zentraler Bestandteil der Fortbildung war die darauf folgende Tagesexkursion zu drei bedeutenden Bauzeugen des 12. Jahrhunderts: Zunächst führte Beate Wallmeier durch das ehemalige Kloster Bredelar (bei Marsberg). Sie stellte bauhistorische Befunde dar sowie gelungene Vermittlungsstrategien vor Ort. Die Kombination aus Klostergeschichte, Kultur und gegenwärtiger Nutzung vieler Akteure macht das Kloster Bredelar zu einem einzigartigen Ort.
Anschließend wurde die Evangelische Kirche in Adorf (Gemeinde Diemelsee) besichtigt, wobei besonders ihre einheitlich romanische Architektur als gewölbte Pfeilerbasilika im gebundenen System mit drei Doppeljochen sowie der kräftig vorgebaute Westturm als Wehrturm thematisiert wurde. Den Abschluss der Exkursion bildete eine Führung von Hildegard Becker (Förderverein Flechtdorf) durch die ehemaligen Benediktiner-Abtei Flechtdorf. Beim Rundgang durch die romanische, teils frühgotische Klosteranlage und Klosterkirche wurden Alltagsleben der Benediktiner, materielles und geistiges Erbe sowie Fragen zur touristischen wie geistlichen Neunutzung des Ortes erörtert.
Beim abschließenden gemütlichen Kaffeetrinken erfuhren wir benediktinische Gastfreundschaft durch den engagierten Förderverein Flechtdorf.
Am letzten Seminartag stand eine Einheit mit dem Paderborner Theologen und Kunstexperten Prälat Theodor Ahrens auf dem Programm. Unter dem Titel „Sakrales und Profanes oder: wie die Kunst gestaltet, was uns heilig ist“ wurde die Wechselwirkung zwischen religiöser Bedeutung und profaner Rezeptionsgeschichte in Kunst und Architektur thematisiert, wurden Kunstwerke und Raumgestaltungen als Vermittler sakraler Sinnzuschreibungen analysiert und Ambivalenzen sowie Aneignungsprozesse aufgezeigt.

Wie immer bei dieser Fortbildungsreihe wurde das Programm ergänzt durch Beiträge der Teilnehmer*innen, die den Kolleginnen und Kollegen ein Kunstwerk, eine Kirche oder einen Künstler erschließen. In diesem Jahr gab es sieben Teilnehmerbeiträge, nämlich über den Kaisersaal im Kloster Huysburg, über den Künstler Josef Baron, das Würfelkreuz auf dem Südfriedhof Brühl, einen Beitrag über das traditionelle Kunsthandwerk „Klosterstich“, das im Kloster Mariensee bis heute gelehrt und tradiert wird, über die Kathedrale und Basilica minor des Hl. Ludwig in St. Louis, Missouri, sowie die Kluskirche in Giershagen (Marsberg).

Beim Schlussgespräch wurde hervorgehoben, dass die Bausteine des Seminars sich inhaltlich sehr gut ergänzten und ineinander griffen. Das Seminar vertiefte historische, liturgische und baugeschichtliche Perspektiven auf Kirchen und Klöster und auf ihre Rolle in der Gegenwart.

Besonders gedankt wurde auch für die erlebte „Gemeinde auf Zeit“: die gute Gruppenatmosphäre, die gemeinsame Ausrichtung, die ökumenisch ansprechenden Gottesdienste, den Gesang, auch für die Ruhe in den Gottesdiensten.