Veranstaltung war am: 12.06.2026 18:00 - 13.06.2026 19:00


Hochbegabung gemeinsam leben – Wege für Familien

Wie erleben hochbegabte Kinder ihre Umwelt? Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für Schule und Familie? Und wie können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, ihre besonderen Fähigkeiten zu entfalten, ohne sie zu überfordern? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Seminar „Hochbegabung gemeinsam leben – Wege für Familien“, das auf der HEGGE in Kooperation mit dem Gymnasium Brede in Brakel und der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind stattfand. Während die Eltern an einer dreiteiligen Fortbildung teilnahmen, arbeiteten die zehn mitgereisten Kinder parallel in einem Zauber- oder Theaterworkshop.

Den Auftakt bildete eine gemeinsame Einführung, bevor sich Eltern und Kinder auf ihre unterschiedlichen Programme verteilten. Die Eltern wurden von der Lerntherapeutin und ECHA-Coachin Petra Dietzler begleitet, die ihre langjährige Erfahrung in der Arbeit mit hochbegabten und neurodivergenten Kindern einbrachte. In drei aufeinander aufbauenden Einheiten zeigte sie, dass Hochbegabung weit mehr bedeutet als ein hoher Intelligenzquotient oder gute schulische Leistungen. Im Mittelpunkt standen die besondere Art der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung, die häufig asynchrone Entwicklung von kognitiven und emotionalen Fähigkeiten sowie die Frage, wie Familien mit intensivem Erleben, Perfektionismus und hohen Ansprüchen konstruktiv umgehen können.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Schulalltag hochbegabter Kinder. Gemeinsam wurden Ursachen für Unterforderung, Konflikte mit Lehrkräften oder Mitschülern sowie unterschiedliche Reaktionsweisen – vom Rückzug bis zum Klassenclown – beleuchtet. Zugleich wurden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Eltern gemeinsam mit der Schule positive Lernbedingungen schaffen und ihre Kinder stärken können. Den Abschluss bildete der Blick auf das Familienleben. Anhand praktischer Beispiele, konkreter Strategien und vieler Fragen aus der Gruppe entwickelten die Teilnehmenden Ideen, wie Konflikte entschärft, Ressourcen gestärkt und der Familienalltag entlastet werden können. Besonders geschätzt wurden die große Fachkompetenz der Referentin sowie der offene Austausch mit anderen betroffenen Familien, der von vielen Teilnehmenden als ebenso wertvoll wie die fachlichen Impulse beschrieben wurde.

Parallel dazu erlebten die Kinder zwei Workshops, die ihre Interessen, ihre Kreativität und ihre individuellen Stärken in den Mittelpunkt stellten. Im Zauberworkshop tauchten sie Schritt für Schritt in die Welt der Magie ein. Dabei lernten sie nicht nur verblüffende Tricks mit Karten, Münzen, Bechern oder Alltagsgegenständen kennen, sondern setzten sich auch mit den Prinzipien optischer Täuschung auseinander. Ohne Leistungsdruck entstand eine Atmosphäre, in der ausprobiert, getüftelt und eigene Ideen weiterentwickelt werden konnten. Die Kinder fanden ihren Platz in der Gruppe, unterstützten sich gegenseitig und entdeckten unterschiedliche Wege, ihre Fähigkeiten einzubringen – sei es beim konzentrierten Üben komplizierter Fingerfertigkeiten oder beim selbstbewussten Präsentieren der eigenen Kunststücke.

Im Theaterworkshop entwickelten die Kinder ausgehend von dem Bilderbuch „Der Hund war’s, ich schwör!“ ihre eigene Bühnenfassung. Statt eines fertigen Skripts standen ihre Ideen im Mittelpunkt. Gemeinsam wurden Rollen entwickelt, Szenen gestaltet, Gestik und Sprache ausprobiert und das Stück immer wieder verändert. Die Theaterpädagogin schuf einen Rahmen, der den Kindern viel Freiraum ließ und zugleich Orientierung gab. So konnten unterschiedliche Persönlichkeiten ihren Platz finden: manche mit großer Spielfreude auf der Bühne, andere eher leise und beobachtend, aber dennoch mit wichtigen Beiträgen für das gemeinsame Ergebnis. Aus den vielen Einfällen entstand Schritt für Schritt eine Aufführung, die die Handschrift der Kinder trug und von allen mitgetragen wurde.

Den Abschluss des Seminars bildete die Präsentation der beiden Workshops vor den Eltern. Die jungen Zauberkünstler führten ihre Kunststücke vor und sorgten mit verblüffenden Effekten für staunende Gesichter. Die Theatergruppe präsentierte ihre humorvolle Inszenierung und erntete großen Applaus. In der gemeinsamen Reflexion berichteten Eltern, wie begeistert ihre Kinder von den Workshops gewesen seien. Einige hätten sich gewünscht, sofort weiterzumachen, andere seien über sich hinausgewachsen und mit sichtbarem Stolz aufgetreten. Besonders hervorgehoben wurden die hohe Qualität der Workshops sowie die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und sich ohne Leistungsdruck kreativ zu entfalten.

Das Seminar machte deutlich, dass Familien mit hochbegabten Kindern sowohl von fundierten fachlichen Impulsen als auch von Räumen profitieren, in denen Kinder und Eltern ihre Erfahrungen teilen, voneinander lernen und ihre jeweiligen Stärken entfalten können. Die Verbindung aus Elternfortbildung und eigenständigen Kinderworkshops erwies sich dabei erneut als ein Konzept, das den Bedürfnissen aller Beteiligten gerecht wurde.

Die HEGGE bedankt sich bei der Osthushenricht-Stiftung für die finanzielle Unterstützung der Kinder-Workshops, welche uns „familienfreundliche“ Preisgestaltung ermöglichte.