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WOZU IST KIRCHE DA?

Seit gut zehn Jahren sind die deutschen Bistümer intensiv mit umfangreichen Neuordnungen ihrer pastoralen Strukturen beschäftigt. Bei aller Einsicht in die Notwendigkeit von Umstrukturierungen herrscht vielfach doch großer Unmut unter kirchlich gebundenen Katholikinnen und Katholiken angesichts dieser Maßnahmen, die zu immer größeren Gemeinden, Seelsorgeeinheiten, pastoralen Räumen, gelegentlich auch zur Auflösung von Gemeinden führen. In manchen Bistümern kommt es zu regelrechten Protestveranstaltungen. Inmitten aller Struktur- und Personalfragen, aller Spar- und Finanzierungspläne, laufen wir Gefahr, den Grundauftrag der Kirche, ihre eigentliche Sendung aus dem Blick zu verlieren:

Wozu ist Kirche da? Was ist ihr Auftrag?
Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer mahnte in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an, dass Kirche kein Selbstzweck sei und nicht nur um ihre Selbsterhaltung kämpfen darf: „Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“ (WE 193). Kirche darf sich nicht zurückziehen in ihre eigenen vier Wände. Sie muss sich öffnen, muss hinausgehen, sie muss zu den Menschen gehen in ihre Häuser und auf die Gassen, um zu wissen, was diese umtreibt, was sie bedrängt und bedrückt. Wie verträgt sich die Mahnung Bonhoeffers mit der heutigen Realität von Kirche in Deutschland? Woran liegt es, dass die Gemeinden vielerorts ihre Strahlkraft und Attraktivität verloren haben? Wie können sie die Menschen wie-der ansprechen, anziehen und überzeugen?

Was hat Kirche zu geben? Worin liegt die gesellschaftliche Bedeutung von Glaube und Kirche? Wie müssen sich bestimmte Sozialformen von Kirche verändern in einer weitgehend dem Christentum entfremdeten Gesellschaft? Inwieweit muss sie offensiv nach außen wirken, ohne ihren Verkündigungsauftrag zu verfehlen?

Was hat Kirche zu lernen? Was haben wir Christen zu lernen von den „Hecken und Zäunen“, von andersgläubigen oder religionslosen Mitbürgern, von den sozialen und gesellschaftlichen Heraus-forderungen unserer Zeit?
Diesen und weiteren Fragen sind wir bei unserer Tagung nachgegangen.

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Monsignore Andreas Kurte und Damian Lazarek

Prof. Dr. Herbert Haslinger

Prof. DDr. Thomas Sternberg und Damian Lazarek

v.l.n.r.:Dr. Anna Ulrich, Dorothee Mann, Prof. Haslinger, Damian Lazarek, Prof. Tiefensee

Prof. Dr. EberhardbTiefensee

Kaffeepause

Gespräche im Foyer

Unsere Referenten:

Herbert Haslinger, *1961; Dr. theol., seit 2002 Professor für Pastoraltheologie, Homiletik, Religionspädagogik und Katechetik an der Theologischen Fakultät Paderborn und Leiter des Diplom-Aufbaustudienganges Caritaswissenschaft, von 1994 bis 2002 in der Fortbildung pastoraler Berufe tätig. Seine Monographie zum Thema: Lebensort für alle. Gemeinde neu verstehen, Düsseldorf 2005.

Andreas Kurte, *1964; Msgr., seit 1990 Priester des Erzbistums Paderborn, nach dem Vikariat von 1994 bis 2008 Gemeindepfarrer, von 2006 bis 2008 Dechant des Dekanats Höxter, seit 2008 Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn, seit 2011 Domkapitular.

Thomas Sternberg, *1952; Lic. theol., Dr. phil.,Dr. theol., seit 1988 Direktor der Katholisch-Sozialen Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster, seit 2001 Honorarprofessor für Kunst und Liturgie an der Universität Münster, seit 2005 Landtags-abgeordneter in NRW, Mitglied des Zentral-komitees der Deutschen Katholiken, von 1997 bis 2013 Sprecher für kulturpolitische Grundfragen im ZdK.

Eberhard Tiefensee, *1952; Dr. theol. habil., seit 1979 Priester des Bistums Dresden-Meißen, seit 1997 Professor für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt; aufgewachsen in Leipzig und dort von 1987 bis 1991 auch als Studentenpfarrer tätig, daher vertraut mit der Situation der Kirche in säkularem Umfeld.

Auszug aus dem Tagungsprogramm:

Freitag, 27.2.2015

Begrüßung und Einführung durch Damian L a z a r e k , Die Hegge

anschl. Msgr. Andreas K u r t e , Paderborn:
„HELFER ZU EURER FREUDE“
Haupt- und Ehrenamt in der Kirche von heute

Samstag, 28.2.2015

Prof. Dr. Herbert H a s l i n g e r , Paderborn:
DIE KIRCHE IST FÜR DEN MENSCHEN DA, NICHT DER MENSCH FÜR DIE KIRCHE
Plädoyer für ein diakonisches Umdenken in der pastoralen Praxis

Prof. DDr. Thomas S t e r n b e r g , Münster :
ZUR STELLUNG DER KIRCHEN IN SÄKULARER UND PLURALER GESELLSCHAFT

Gesprächsrunde über die Themen des Tages
Leitung: Damian Lazarek

Sonntag, 1.3.2015

Prof. Dr. Eberhard T i e f e n s e e , Erfurt:
„ICH BRAUCHE KEIN LABEL DER WELTANSCHAUUNG ZUR IDENTITÄTSFINDUNG“
Christsein im säkularen Umfeld

Einladung zum Schlussgespräch

15.30 h Ende der Tagung

Leitung: Damian Lazarek, Die Hegge

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